Neues Projekt in der Kartoffelzucht:

"Hier kommt keine Laus durch"

In Strehlow entsteht gerade ein großes Gewächshaus, gut zu sehen von der Straße. Doch Tomaten und Gurken sollen hier nicht angebaut werden, wie viele vermuteten. Stattdessen werden unter Glas neue Knollen heranwachsen.

Felix Bernd, Steffen Weniger und Michael Höft (von links) bringen die Beregnungsanlage ins Gewächshaus. Die soll bis Ende der Woche montiert werden. Im Februar sollen die ersten Kartoffel-Pflänzchen in die Erde gebracht werden.
Kirsten Gehrke Felix Bernd, Steffen Weniger und Michael Höft (von links) bringen die Beregnungsanlage ins Gewächshaus. Die soll bis Ende der Woche montiert werden. Im Februar sollen die ersten Kartoffel-Pflänzchen in die Erde gebracht werden.

Als der Lkw auf den Hof in Strehlow vorfährt, weiß Steffen Borgwald, dass die Arbeiten vorangehen können. Auf die automatische Beregnungsanlage hat der Betriebsleiter der Böhm-Nordkartoffel Agrarproduktion gewartet. Der Monteur hat sich auch schon angekündigt. "Die Leute haben gedacht, dass wir jetzt Tomaten und Gurken anbauen", sagt er. "Aber an Kartoffeln denkt keiner." Seit September entsteht hierfür ein 1100 Quadratmeter großes Gewächshaus, eins, was es Deutschland so noch nicht gibt. "Die Idee stammt aus Amerika", erklärt Borgwald. Mit Gaze und Vorraum sei das Glashaus dicht. "Da kommt keine Laus durch." Derzeit läuft der Probelauf für die Heizung. Ende des Monats soll die Fläche mit Erde befüllt werden. Im Februar werden die ersten 50 000 Pflänzchen gesetzt. "Von Frauen, die haben Fingerspitzengefühl, das können keine Männer machen."

Im Labor von "Bioplant" im niedersächsischen Ebstorf werden die Meristem-Pflänzchen - die erste Generation der Kartoffel - im Reagenzglas angezogen. "Aus gesunden Mutterpflanzen." Der Keim, die oberste Spitze, werde per Skalpell in eine Nährlösung gesetzt. So könne man aus einer Knolle viel mehr Pflanzen gewinnen. "Das hat nichts mit Gen zu tun", stellt Borgwald klar. "Das hat es schon zu DDR-Zeiten gegeben." Damit sollen Sorten erhalten werden. Drei bis vier Zentimeter groß sind die Pflänzchen, wenn sie in die Erde kommen. Daraus wachsen Miniknollen, die ein Jahr drauf das erste Mal herkömmlich aufs Feld gebracht werden. Mit dem neuen Gewächshaus verdreifacht sich der Anbau. Kamen sonst einmal im Mai 30 000 Pflanzen ins Folienzelt, seien jetzt zwei Durchgänge mit je 50 000 möglich. Der Strehlower Betrieb liefert Pflanzgut deutschland- und europaweit. Auf durchschnittlich 170 Hektar werden jedes Jahr etwa 80 Sorten Pflanzkartoffeln ausgebracht. Das sei der Schwerpunkt. Speisekartoffeln nehme nur einen kleinen Teil der Produktion ein.