Volle Granade:

Hier spielt Mann die Musik

Im sonstigen Leben sind sie Handwerker, Arzt, Ökobauer, Musiklehrer. Doch als Klenzer Männerchor wachsen sie zu einem Ensemble zusammen, das im Demminer Land mittlerweile Kultstatus genießt.

Unter der Leitung von Klaus Richter (rechts) bringen sie jeden Raum zum Klingen: der „Klenzer Männerchor“, hier in der Neukalener Stadtkirche.
Thoralf Plath Unter der Leitung von Klaus Richter (rechts) bringen sie jeden Raum zum Klingen: der „Klenzer Männerchor“, hier in der Neukalener Stadtkirche.

Wie das nun mal so ist im Leben: Das Beste kommt meistens zum Schluss. Der letzte Ton in Neukalens Stadtkirche war lange verhallt am Sonnabend, da legten sie noch mal los.

Irgendwie lag das auch schon in der Luft am Hafen der Peenestadt. Die zweite Runde Bier, ein lauer Frühsommerabend auf der Terrasse des Hafenlokals. Zehn Sänger zusammen am Tisch. Muss dann nur noch einer anstimmen. „Marina, Marina, Marina“, klang plötzlich ein alter Schlager aus den 1950ern an, Rocco Granata hat den mal zum Hit gemacht, doch wenn der Klenzer Männerchor ihn interpretiert, wird etwas ganz Besonderes draus.

Wandern, das geht auch per Boot

Und so kamen sie denn zu einem unerwarteten Privatkonzert an diesem italienisch angehauchten Maiabend, die Neukalener Hafenbesucher. Freilich mit etwas kräftigeren Strophen („Volle Granade, Renade“) als zuvor a-capella zwischen Altar und Taufstein zu vernehmen war: sakrale Lieder der Orthodoxie, mehrstimmige Satzgesänge aus der Renaissance, ein ganzer Block mit wunderbaren Liedern der Romantik. Dann, ganz zum Schluss, das Überraschungspaket, ohne ein solches endet die Tonkunst der Klenzer nie. Diesmal die Hits: ein tschechisches Wirtshauslied mit imitierten Bläsersätzen und schier unaussprechlichem Text – und das „Haus am See“ von Peter Fox.

Zum dritten Mal zogen sie nun durch das alte Grenzland von Mecklenburg und Vorpommern, die sangesfreudigen Herren des Klenzer Männerchores. Zur Freude aller, die diesen wunderbare und immer auch etwas schräge Ensemble in ihr Herz geschlossen haben. Nachdem die Chorwanderung 2013 rings um den Malchiner See im Gepladder eines verregneten Frühsommers versank, schien diesmal reichlich Sonne über den Häuptern der wackeren Chormannen. Es gab Auftritte in Dargun, Salem und Neukalen, die Strecken dazwischen legte man zum Teil mit dem Segelboot zurück – Wandern ist ein dehnbarer Begriff.

Man merkt es den Männern in jedem noch so kleinen Konzert an, mit wie viel Leidenschaft und Spaß am Gesang sie bei der Sache sind. Das Ganze geprägt von einer hohen Professionalität, singen doch mit dem Chorleiter und früheren Musiklehrer Klaus Richter sowie Dietrich Irmer und Thomas Guderle gleich drei Berufsmusiker in dem Ensemble mit. Ansonsten sind die Klenzer im sonstigen Leben: Arzt, Ökobauer, Bäcker, Autoschlosser. Doch wenn sie zusammen auf der Bühne stehen, werden sie zu Sängern.

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