Weißes Krankenhaus:

Hier wohnte der legendäre Krupp-Chef Berthold Beitz

Kaserne ist Demmins Weißes Krankenhaus schon seit 100 Jahren nicht mehr. Was kaum jemand weiß: Bertold Beitz, späterer Chef des Krupp-Konzerns, wohnte in seiner Kindheit eine Weile hier.

Die Geschichte des Weißen Krankenhauses ist in Demmin allgegenwärtig.
Archiv Behrens Die Geschichte des Weißen Krankenhauses ist in Demmin allgegenwärtig.

Die Geschichte des Weißen Krankenhauses begann als Kaserne. In nur zwei Jahren Bauzeit hochgezogen, diente der wuchtige, festungsartige Bau zwischen Peeneufer und Loitzer Straße ab 1862 als Domizil des 2. Pommerschen Ulanenregiments Nr. 9. Der Fassadenstil erinnert noch heute an eine damals in ganz Preußen weitverbreitete Architekturmode – die sogenannte Tudorgotik. Baumeister Karl Friedrich Schinkel hatte die Idee dazu von einer Studienreise in England mitgebracht.

An die Westkaserne, ständig bewohnt von bis zu 320 Soldaten, schlossen sich damals die Pferdeställe der Ulanen an, heute das Peene-Einkaufszentrum. Nur die Reithallen gibts nicht mehr, an ihrer Stelle steht heute die Tankstelle.

Das große Abschlachten im Ersten Weltkrieg

Kaserne blieb die Kaserne bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Das große Abschlachten hatte auch von den Ulanen nicht viel übrig gelassen, in Demmin blieb nur die Ostkaserne am heutigen Bebelplatz Militärstandort. Aus der Westkaserne wurde Wohnheim – für Hunderte Flüchtlinge, die der Krieg obdachlos gemacht hatte. Damals war unter den jüngsten Bewohnern eine Zeitlang auch ein gewisser Berthold Beitz. Später sollte er als Chef des Krupp-Imperiums zu einem der berühmtesten Industriellen Deutschlands aufsteigen.

Tagesklinik für psychisch Kranke

In der Nazizeit nahm der Reichsarbeitsdienst das Gebäude in Beschlag, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es zu einer Außenstelle der Demminer Klinik. Erst jetzt begann sich im Volksmund der Name „Weißes Krankenhaus“ einzubürgern – im Kontrast zum „Roten“, dem backsteinernen Hauptgebäude in der Wollweberstraße eben. Viele Jahre waren in der Loitzer Straße Kinderstation und Innere Abteilung untergebracht, nach der Wende auch eine Zeit lang die Tagesklinik für psychisch Kranke. Alles Geschichte. Nur das Dialysezentrum hält heute noch die Stellung. Der Rest des riesigen Baus: lauter Fragezeichen auf bröckelndem Grau-Putz.

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