Freispruch nach Verdacht auf Drogenhandel:

„Ich habe nichts damit zu tun“

Ein 28-jähriger Demminer streitet es ab, mit Drogen je gehandelt zu haben. Auch die Beweise gegen ihn sind dünn. Haben sich die Ermittler geirrt? Das Amtsgericht spricht den Angeklagten frei.

Der Anfangsverdacht gegen Oliver C. kann nicht erhärtet werden.
dpa Der Anfangsverdacht gegen Oliver C. kann nicht erhärtet werden.

Noch nie hat sich Oliver C. (Name geändert) etwas zu Schulden kommen lassen. Sein Strafregister ist leer. Warum er jetzt auf der Anklagebank vor dem Demminer Schöffengericht sitzt, kann er selbst nicht verstehen. Er soll 2011 mit Drogen wie Haschisch und Kokain gehandelt haben. Doch das streitet der Demminer ab. „Ich war geschockt, als das passiert ist, ich habe wirklich nichts damit zu tun“, beteuert der 28-Jährige. Die ganze Wohnung habe man ihm auf den Kopf gestellt. Gefunden hat man nichts. Die Beweislage ist dünn. Das Gericht spricht den Hansestädter frei, wie es auch der Staatsanwalt beantragt hat.

Im Zuge der Ermittlungen gegen einen bereits verurteilten Immobilienmakler aus der Region Demmin, der in Drogengeschäfte verwickelt war, waren auch Leute aus der Umgebung Demmins ins Netz der Justiz geraten. Gegen mehrere ist bereits verhandelt worden, zuletzt im Juni. Zollfahnder aus Hamburg hatten die Kalender des Drogendealers ausgewertet. Teilweise gab es Telefonüberwachungen und Observationen. Im Falle von Oliver C. jedoch nicht.

Der 28-Jährige selbst will nicht aussagen, lässt aber eine Erklärung von seinem Verteidiger verlesen. In der bestreitet er, Drogen von dem Immobilienmakler S. weder für den Eigenkonsum noch für den Verkauf an Dritte erworben zu haben. Demzufolge könne er auch keine Gewinne erzielt haben. Er kenne den 51-jährigen Mann nur aus dem Stadtbild. Die Staatsanwaltschaft habe ihm keinen einzigen Abnehmer nennen können, an den er angeblich Drogen verkauft haben soll.

Auch die Zeugenaussagen gehen nur von Vermutungen aus. Der 51-jährige Immobilienmakler, der mit Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt wird, lässt über seinen Rechtsanwalt ausrichten, dass er von seinem Schweigerecht Gebrauch macht.

Andere Zollbeamte erwähnen, dass Einträge mit dem Vornamen des Angeklagten in den Kalendern gefunden wurden. Die Nummer von C. sei bei dem Drogendealer im Handy gespeichert gewesen. Kann es sich bei dem Eintrag auch um einen anderen Oliver gehandelt haben, fragt der Richter. Das könne sie nicht ausschließen, gibt die 36-jährige Zeugin zu, genauso, dass es nur Vermutungen seien. Der Anfangsverdacht gegen Oliver C. kann nicht erhärtet werden. Außerdem sei der 28-Jährige noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten.

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