Mysteriöses Altarbild:

Ist Rembrandt-Schüler Schöpfer des Gemäldes?

Mit dem Kreuzigungsbild aus der Darguner Schlosskirche wird es immer spannender: Sollte sich bewahrheiten, was ein Kirchenhistoriker da gerade vermutet, hätten wir eine Sensation.

Der Leiter des Demminer Regionalmuseums, Hans Clemens, vor dem aus der Darguner Schlosskirche stammenden Altarbild
Thoralf Plath Der Leiter des Demminer Regionalmuseums, Hans Clemens, vor dem aus der Darguner Schlosskirche stammenden Altarbild

Thomas Buske, Vorsitzender des altehrwürdigen evangelischen Kirchenbauvereins zu Berlin, kommt in seinem Schreiben an das Demminer Museum schnell zur Sache: Das alte barocke Altarbild aus Dargun, hebt Buske an, sei höchstwahrscheinlich ein Werk des Rembrandt-Schülers Jürgen Ovens. Der sei nach 1654 eine Weile für den Herzog von Mecklenburg-Güstrow tätig gewesen, und just in jener Zeit sei nachweislich der Rahmen für den Altaraufsatz in der Darguner Kloster-Schlosskirche entworfen worden. „Es liegt daher mehr als nahe, dass Jürgen Ovens der Maler des Kreuzigungsgemäldes war, auch wenn für diese Zeit in der Literatur nur die herzoglichen Porträts genannt werden.“

Im Museum hat Buskes Brief helle Aufregung ausgelöst. „Wenn sich diese Vermutung bewahrheitet, wäre das eine Sensation“, sagt Museumschef Hans Clemens. „Schon seit der Wiederentdeckung stellen wir uns die Frage, wer es gemalt hat. Der Hinweis von Dr. Buske bringt uns auf eine ganz neue und höchst spannende Spur, und unter diesem Aspekt wird das Gemälde völlig neu zu bewerten sein." In Sachen kirchlicher Bau- und Kunstgeschichte gelte der Mann als Institution.

Die mögliche Verbindung zwischen dem Altarbild und dem berühmten Barock-Maler bemerkte er eher zufällig. Er forscht derzeit an einem Kirchenbild aus dem holsteinischen Eutin, ebenfalls ein Werk Ovens. So fiel ihm auf, dass der Rembrandt-Schüler, bekannt geworden als Hofmaler der Herzöge von Holstein-Gottorf, ab 1654 mehrere Jahre für den Güstrower Herzog arbeitete: „Die Adelsfamilien, vor allem wenn sie verwandt waren wie in diesem Fall, liehen sich ihre Künstler damals sozusagen aus“, sagt Buske.

Von Güstrow aus nach Dargun war es dann nicht mehr weit. Buske: „Ovens malte vor allem Porträts. Aber nun fällt die Rekonstruktion der im 30-jährigen Krieg verwüsteten Darguner Schlosskirche genau in diese Zeit, und das Schloss gehörte dem Herzog. Die Gestaltung des Altarrahmens durch den herzoglichen Architekten Charles Dieussart ist belegt. Was also liegt näher als die Annahme, dass der genau zu dieser Zeit am Hof tätige Ovens das Bild malte? Der Herzog dachte praktisch. Und der Malstil der Kreuzigungsszene passt sehr zu anderen Werken Ovens.“

Bewiesen freilich muss das noch erst werden.

 

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