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Ja oder Nein zum Sowjetstern?

Denkmale erinnern in vielen Städten auch an sowjetische Kriegsgefangene, Soldaten und Zwangsarbeiter. Einige Obelisken samt rotem Stern sind schon verschwunden, anderenorts stehen sie aber noch - als symbolische Zeitzeugen.

Sowjetstern auf einem Grabstein des Sowjetischen Ehrenfriedhofs
Martina Berg - Fotolia.com Sowjetstern auf einem Grabstein des Sowjetischen Ehrenfriedhofs

Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkrieges nach 1990 in Demmin und anderenorts: Welcher Stellenwert hat historisches Wissen gegenüber Gedenken? In einer Podiumsdiskussion im Demminer Regionalmuseum wurde darüber diskutiert und an Schulen soll dieses Thema jetzt weiter verfolgt werden. „Im Rahmen eines Projektes können Schülerinnen und Schüler auf den Spuren der sowjetischen Soldaten unterwegs sein“, erklärt Ernst Wellmer, Ortsvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberpflege.

Infotafeln und -kästen häufig Ziel von Vandalen

Er sei auch für Infotafeln an Kriegsgräberstätten, um die nachfolgenden Generationen besser zu informieren. „Es wäre sinnvoll, am Barlach-Platz zu der vorhandenen Informationstafel einen weiteren Informationskasten anzubringen. Hier könnte dann die Entwicklung des Platzes im Wandel der Zeit in Wort und Bild dargestellt werden“, so Wellmer. Allerdings habe es in Demmin so einen Infokasten schon gegeben, unter anderem am Ulanendenkmal. Der Kasten wurde aber immer wieder zerstört. Auch die Infotafel am Barlach-Platz sei schon gestohlen worden. „Es muss also etwas sein, dass widerstandsfähig ist“, schlägt Ernst Wellmer vor.

Jede Stadt regelt das anders

Er verweist zudem auf die Geschichte der sowjetischen Kriegsgräberstätte am Barlach-Platz. 1994 gab es Absprachen mit der russischen Militärbehörde, da der einstige Obelisk mit rotem Stern abgerissen werden sollte. Der Obelisk war stark sanierungsbedürftig, darum entschied man sich, den Platz völlig neu zu gestalten. Das wird aber in jeder Stadt auch anders gehandhabt. Beispielsweise hat die Stadt Malchow den sowjetischen Obelisken im Stadtzentrum samt rotem Stern stehen lassen. Aber die Gräber wurden umgebettet. „Es hat damals in der Stadt ein gespaltenes Verhältnis zum Standort des Obelisken gegeben“, sagte Malchows Bürgermeister Joachim Stein in der jüngsten Podiumsdiskussion im Demminer Regionalmuseum. Aber man habe sich für das Denkmal entschieden.

In einer Datenbank des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst gibt es Informationen zu den Kriegsgräbern. Lutz Prieß und Sebastian Kindler erstellen diese Datenbank und arbeiten dabei eng mit Historikern vor Ort zusammen. Bundesweit gibt es über 4000 Standorte, in Mecklenburg-Vorpommern sind es 152. Auf 67 Anlagen sind Rotarmisten begraben, an 48 Standorten Zwangsarbeiter, an 34 Standorten Kriegsgefangene, an 15 KZ-Tote und an 9 Standorten sowjetische Kinder.

Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte gibt es 27 Kriegsgräberstätten. „Kriegstote sollten würdevoll beerdigt werden. Die russische Seite erwartet nicht, dass wir die Obelisken stehen lassen“, erklärt Elke Schestjanoi vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin. Hier solle man an die Mündigkeit der Bürger appellieren.