Bei der Feuerwehr wirds brenzlig:

Kameraden suchen Kameraden

Demmins Brandbekämpfer setzen einen Notruf ab – in eigener Sache. „Werde aktives Mitglied der Feuerwehr!“ werben die Kameraden auf der Homepage der Hansestadt. Denn der Wehr gehen die Leute aus. Was wird der Aufruf bringen?

Löschen eines brennenden Strohmiete bei Utzedel: Den Freiwilligen Feuerwehren im Demminer Land gehen die Leute aus.
Archiv/Thoralf Plath Löschen eines brennenden Strohmiete bei Utzedel: Den Freiwilligen Feuerwehren im Demminer Land gehen die Leute aus.

„Bereitschaft zum persönlichen Einsatz, Motivation, Hilfsbereitschaft und Fairness.“ Wer das mitbringen kann: ran! Dafür gibts: „das gute Gefühl, anderen Mitmenschen direkt helfen zu können, Kameradschaft und Zusammengehörigkeitsgeist, ein anerkanntes, ehrenamtliches Engagement und die Möglichkeit, außergewöhnliche Situationen zu durchleben“.

So wirbt die Freiwillige Feuerwehr Demmin nun auf der Homepage der Hansestadt um neue Mitglieder. Es ist ein Notruf: Die Kameraden brauchen dringend Kameraden. Selbst die operative Gruppe der regionalen Schwerpunkt-Wehr kann mit ihren derzeit 41 Mitgliedern die gesetzliche Mindestnorm (38) gerade noch so erfüllen – für zusätzliche Aufgaben wie die in Demmin stationierte Wassergefahrengruppe fehlt eigentlich längst die nötige Sollstärke.

Jeder ab 16 kann mitmachen

Darum hat Wehrführer Thomas Rohleder jetzt einen neuen Versuch gestartet, seine Truppe zu verstärken. „Was wir suchen, sind engagierte Menschen für den freiwilligen, aktiven Feuerwehrdienst. Es lohnt sich“, sagt er. Mitglied in der aktiven Gruppe der Wehr könne jeder ab 16 Jahren werden, Vorkenntnisse seien nicht erforderlich. „Dafür gibts ja eine umfangreiche Ausbildung, außerdem arbeitet man am Anfang an der Seite erfahrener Kameraden mit.“ Es ist nicht die erste Werbeaktion der hansestädtischen Feuerwehr in eigener Sache.

Die frühere Landes-Politik rächt sich

Gebracht hat es kaum etwas. Auch vom neuen Aufruf verspricht sich Wehrchef Rohleder keine Wunder. „Aber natürlich muss man es immer wieder versuchen“, sagt der 50-Jährige. Jetzt räche sich, dass die Landesregierung in den 1990er Jahren alles getan habe, um junge Leute aus Mecklenburg-Vorpommern wegzulocken: „Wenn ich daran denke, damals wurden Umzugsprämien gezahlt, damit unsere Jugend wegzieht! Wir müssen uns doch nicht wundern heute. Es ist ja nicht nur die Feuerwehr, die diese Probleme jetzt hat. Überall bricht etwas zusammen, beim THW, beim DRK. Wir sind in der Aktiven Gruppe im Kern Leute zwischen Ende vierzig und um die sechzig. Da hilft auch keine Umwandlung in eine Berufsfeuerwehr mehr, es sind ja einfach zu wenig Leute da draußen. Noch zehn Jahre, und wir können das Licht ausmachen, wenn wir jetzt nicht die Kurve kriegen.“

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Vor ihr vermutlich das Prinzip Freiwilligkeit.

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