SPD-Bundestagskandidatin beim Frauenbund:

Kein Getöse rund um den Wahlkampf

Der Frauenbund in Demmin wollte mit Jeannine Pflugradt nicht nur über die große Politik reden. Er machte auch auf seine eigenen Sorgen aufmerksam.

SPD-Bundestagskandidatin Jeannine Pflugradt verteilte rote Rosen.
Kirsten Gehrke SPD-Bundestagskandidatin Jeannine Pflugradt verteilte rote Rosen.

Jeannine Pflugradt fühlte sich wohl. Beim Frauenbund in Demmin bekam die SPD-Bundestagskandidatin Kaffee und ihren Lieblingskuchen mit Kirschen, während es draußen in Strippen regnete. Gerade war die 40-Jährige aus Schönfeld von einer ebenso gemütlichen Runde gekommen, wollte nach dem Besuch beim Frauenbund noch auf die Straße zum Wahlkampf und abends zum Turn- und Kegelverein. Den Frauen in Demmin brachte sie zunächst rote Rosen mit. Aber auch ohne Blumen wäre wohl der Bann schnell gebrochen.

Locker und ohne Protokoll, ohne lange Einleitungsreden kam die Sozialdemokratin aus Neustrelitz sofort ins Gespräch. Auf langweiliges Wahlkampfgetöse verzichtete die junge Frau, stellte sich gleich den Fragen der Demminer. Mindestlohn, Rente, Anpassung der Gehälter von Ost und West, aber auch die Schwierigkeit, dass über 50-Jährige keine Arbeit mehr finden, kamen zur Sprache. Die Frauen machten auch auf ihre Situation aufmerksam, dass sie wegen zu hoher Betriebskosten aus ihrem Domizil in der Pfarrer-Wessel-Straße  ausziehen müssen (Nordkurier berichtete). „Das weiß ich noch gar nicht, wie ich das den Kindern und Eltern sagen soll“, meinte Ursula Wirbel. Denn die Jugendarbeit im Verband ist damit auch in Gefahr.

Wie Jeannine Pflugradt sagte, seien da jetzt die Eltern gefordert. Sie regte an, vor der Stadtvertretung laut auf das Problem des Frauenbundes aufmerksam zu machen. Man müsse sich auch selbst beweisen. Vor 24 Jahren habe man das schon mal bewiesen, dass man etwas bewegen kann, wenn man gemeinsam auf die Straße geht.

Auch Stadtvertreter Reinhardt Friedrichs forderte, dass jeder täglich seine Stimme erheben sollte, und nicht nur, wenn Wahlen anstehen. Als Beispiel nannte er die Gerichtsstruktur. Es sei wichtig, dass die Demminer fürs Amtsgericht kämpfen. „Wir können Demmin nicht total ausbluten lassen“, sagte Friedrichs. Er befürchtete, dass auch bald das Ordnungsamt der Kreisverwaltung nicht mehr lange in der Hansestadt bleibt. „Wenn von oben diktatorisch regiert werde, das müsse man sich nicht gefallen lassen.“ Das sah auch die Bundestagskandidatin so. „Man muss auch mal gegen den Strom schwimmen“, meinte sie. Und nicht der Meinung sein, wie die Parteifahne wehe.

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