Diebstahl vor Gericht:

Klienten abgezockt? Betreuerin streitet‘s ab

Eine 27-Jährige hatte die Vollmacht für die Konten ihrer Betreuten. Regelmäßig holte sie Geld vom Automaten. Wie sie sagt, für die Betreuten. Doch die sagen etwas anderes.

Um mehrere tausend Euro ging es in der Anklage.
Daniel Reinhardt Um mehrere tausend Euro ging es in der Anklage.

Vertrauen allein kann sich rächen. Das weiß Lisa J.* jetzt. Die 27-Jährige hat es mit der Buchführung nicht so genau genommen. Das aber hätte sie als Betreuerin zweier älterer Leute, für die sie sich auch um Geldangelegenheiten gekümmert hat, aber tun müssen. Nun sitzt Lisa J. auf der Anklagebank. 17 Straftaten werden ihr vorgeworfen. Als Bevollmächtigte für die Konten der Betreuten hatte sie von Januar bis September 2011 an einem Automaten in Altentreptow  regelmäßig Geld  abgehoben, mal 50 Euro, mal 280, mal 340 oder 1000 Euro. Eine Summe von mehreren tausend Euro kam so zusammen, die sie unterschlagen haben soll.

Doch Lisa J. setzt ihre Unschuldsmiene auf. Sie habe immer im Beisein der Leute Geld abgeholt, als sie zum Einkaufen gefahren sind, beteuert die Angeklagte. Mit der höchsten Summe, 1000 Euro, habe Herr Q.* die Wohnung renovieren wollen. „Er hat davon Küche und Bad gefliest.“ Die kleinen Summen seien zum Einkaufen von Lebensmitteln gewesen. Zudem hätten sich die Leute neu eingerichtet. „Vorher haben sie im Messi-Haushalt gelebt“, schildert die junge Frau. Einbauküche, Couch, Flachbildschirm-Fernseher hätten sie sich neu gegönnt.

Der Alkohol machte ihn misstrauisch

Jeden Einkauf zu dokumentieren, das jedoch hat Lisa J. versäumt. „Beweise habe ich nicht“, gibt die vierfache Mutter kleinlaut zu. Lange seien die Betreuten zufrieden gewesen. Bis der alkoholkranke Mann wieder rückfällig wurde und trank. Dann kam es zum Bruch. Richter Jörg Blasinski kann an so viel Naivität nicht glauben. Im Rahmen ihrer Betreuer-Tätigkeit sei sie an eine Rechnungslegung gebunden. „Man muss sich absichern“, meint er. So wie es die Angeklagte gemacht hat, hat sie gegen die Regeln verstoßen.

Lisa J. hat auch nicht zum ersten Mal mit dem Gericht zu tun. Inzwischen gibt es drei weitere Verfahren wegen Urkundenfälschung und Betrug. „Da ist eine Menge aufgelaufen“, hält ihr der Richter vor. „Die richtige Unschuldsmiene können Sie mir nicht verkaufen.“ Die 27-Jährige beteuert, dass sie jetzt strikt Buch führt. Der Staatsanwalt fordert eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Der Richter geht da mit, setzt aber die Bewährungszeit auf zwei Jahre fest. Lisa J. sei noch unerfahren gewesen, begründet er. Doch wer einen Auftrag übernehme, müsse dafür gerade stehen. (*Name geändert)

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Kommentare (1)

Wer hat da noch versagt? Als Betreuer hat man jährlich eine Rechnungslegung zu machen, die durch das Gericht prüft. Wenn das Gericht schon damals vielleicht überlastet war, was soll das dann erst nach der Gerichtsstrukturreform werden? Ist nicht in der Vergangenheit ein Berufsbetreuer in die Zeilen geraten? Was ist eigentlich aus dem Verfahren geworden? Ja, und noch mehr wundert mich, wie eine Person Betreuer werden, ohne Prüfung, ob sie geeignet ist? Und wenn ich jetzt an die Schließung einiger Gerichte denke, stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Aber unsere Justitzministerin nebst Koalitionskollegen sehen das ja bekanntlich und trotz sich abzeichnenden Volksbegehren anders. Wo kein Kläger ist braucht kein Richter zu sein.