Demminer Hanseviertel:

Verein kann Mindestlohn nicht stemmen

Eigentlich läuft auf der Fischerinsel gerade die Winterroutine: Wege in Stand halten und sogar noch ausbauen. Doch für den Trägerverein ist jetzt ein neues Problem dazu gekommen.

Aus den groben Brettern sägen die Mitarbeiter des Hanseviertelvereins derzeit die Bohlen für das letzte Teilstück des Rundweges zurecht.
Georg Wagner Aus den groben Brettern sägen die Mitarbeiter des Hanseviertelvereins derzeit die Bohlen für das letzte Teilstück des Rundweges zurecht.

Wenn Roman Gau morgens in seinem Büro den Computer hochgefahren hat, dann schaut er als Erstes auf die Seite des Bundesfreiwilligendienstes. „Das ist schon so eine Art Ritual“, sagt er.

Der Vorsitzende des Hanseviertelvereins hofft für die neue Saison auf Arbeitskräfte aus dem Programm. Um die landläufig als Bufdis bezeichneten Freiwilligen zu bekommen, darf er möglichst keinen Tag auf der Seite versäumen. Denn das Hanseviertel ist nach seinen Worten zwar als Einsatzort zugelassen, doch das bedeutet noch längst nicht, dass er tatsächlich Freiwillige rekrutieren kann.

Dafür muss der Bund jeweils Kontingente freigeben. „Das funktioniert wie eine Verkehrsampel“, sagt Gau. Steht sie auf der Website auf Rot, kann er den Laptop im Prinzip gleich wieder zuklappen. Bei Grün dagegen bestehen immerhin Chancen. „Das“, schmunzelt Gau, „ist wie ein Lotteriespiel.“ Noch hat er Zeit für den Treffer, doch bis zur Eröffnung der neuen Saison auf der Fischerinsel Anfang Mai sollte das Personalkonzept stehen.

Die Schwierigkeiten begannen, als im vorigen Jahr der Mindestlohn beschlossen wurde.  Bisher betrieb der Verein das Viertel mit zwei fest angestellten Kräften, vor allem aber über geförderte Maßnahmen der Arbeitsagentur beziehungsweise des Jobcenters, mit Aushilfskräften und ehrenamtlichen Helfern. Müsste er alle nach Mindestlohn bezahlen, würde ihn das finanziell völlig überfordern. „Und nur ehrenamtlich kann man das nicht machen“, sagt Roman Gau. Deshalb suchte der Verein nach Alternativen.

Bundesfreiwillige sollen Lücken schließen

Während für die beiden fest angestellten Schichtleiter das Mindestlohngebot gilt und wohl auch noch Arbeitskräfte der Beschäftigungsgesellschaft Ökotech dazu kommen, sollen die Bundesfreiwilligen helfen, Lücken zu schließen. Ob das klappen wird – man weiß es bisher nicht. Ende Februar wird sich der Vorstand erneut mit der Frage befassen.

Noch ist das nicht allzu dringend. Derzeit geht es auf der Fischerinsel vor allem darum, das touristische Hüttenviertel fit zu machen für die neue Saison. Instandhaltungen am Weg im Viertel stehen an, dazu der weitere Ausbau des Bohlenrundweges um die Insel. Etwa 180 Meter, der künftige „Wachtelkönigweg“, fehlen noch an ihrer Spitze. Immerhin: Das Holz dafür ist geschlagen, Schichtleiter Karl-Heinz Jarke und seine Mitarbeiter sägen jetzt aus den Brettern die Bohlen zurecht. „Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete“, lacht er.

Jarke kann von Glück reden, dass er das Holz schon hat. Denn gegenwärtig lasse der Förster wegen der aufgeweichten Wege niemanden in den Wald. Für den Fertigbau des Rundweges aber bleibt nur ein kurzes Zeitfenster, bevor die Arbeiten zur Nist- und Brutzeit der Vögel wieder eingestellt werden müssen. Ob der Wachtelkönigweg bis zur neuen Saison fertig und damit die letzte Lücke in dem insgesamt rund 760 Meter langen Rundweg geschlossen wird, Karl-Heinz Jarke kann es nur hoffen. „Wir sind“, sagt er, „ja auch vom Wetter abhängig.“ Und wer weiß schon, ob es nicht doch noch Winter wird.

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