Einkaufen auf dem Land - Kummerows Kummer:

Konsum macht mal eben dicht

In den meisten Landgemeinden der Region sind sie seit Jahren Geschichte, nur in Kummerow hielt er wacker die Stellung: der Dorfkonsum. Seit voriger Woche ist er zu. Für die Leute im Dorf kam der Ladenschluss völlig überraschend.

Ausverkauft: Der Dorfladen in Kummerow, einer der letzten ländlichen Mini-Supermärkte in der Region, ist geschlossen.
Thoralf Plath Ausverkauft: Der Dorfladen in Kummerow, einer der letzten ländlichen Mini-Supermärkte in der Region, ist geschlossen.

Rückschläge hat Kummerow einige verkraften müssen in den letzten Jahren. Der kaputte Hafen. Das noch kaputtere Schloss. Die Gaststätte mit der schönen Seeterrasse steht auch schon wieder eine ganze Weile leer. Nur eines schien dem Abgesang der Angebote munter trotzig zu widerstehen: der Dorfladen. Ohne Unterbrechung blieb der kleine Supermarkt neben der Feuerwehr geöffnet, während ringsum in den Landgemeinden ein „Konsum“ nach dem anderen aufgab.

Jetzt ist dieses Kapitel auch in Kummerow vorbei. Seit einer Woche bleiben die Jalousien der Schaufenster unten. Schluss, Ende, Ausverkauf. Für die Leute im Dorf kam der Ladenschluss völlig überraschend. „Am Wochenende war noch auf, aber da haben sie nur noch Brot und Brötchen verkauft und nebenbei schon ausgeräumt“, sagt Bruno Quade. Er wohnt gleich gegenüber und hat im Dorfladen immer gern eingekauft. „Klar, das war bequem, vor allem für die Älteren. Da traf man auch immer mal einen zum erzählen.“

Kaufmobil im Einsatz

Jetzt steht er mit einigen anderen Kummerowern an der Feuerwehr und wartet auf den fahrenden Händler aus Teetzleben, der sogleich seine Reklame angeklebt hat in Kummerow, praktischerweise an die Tür des verschlossenen Markts. Zweimal die Woche will der Händler mit seinem Kaufmobil künftig kommen, Donnerstag und sonnabends.

Für die Leute, die ihren Laden vermissen, ist das kein wirklicher Ersatz. „Soll man jetzt zwischendurch für Brot und Butter immer nach Malchin fahren“, fragt sich eine Rentnerin. Auch sie wartet auf den neuen Händler. „Schade, im Laden war doch eigentlich immer Betrieb. Sonnabends und sonntags besonders. Da gab es frische Brötchen, man traf sich da, schön war das. Wie früher im Konsum. Sicher, die Konkurrenz ist bestimmt hart. Vielleicht hätten auch drei Öffnungstage in der Woche gereicht. Ich versteh das nicht, warum das sich nun plötzlich nicht mehr lohnen soll.“

Schließung als Nacht- und Nebelaktion

Auch Bürgermeister Bernd Moritz ärgert sich. Vor allem, weil sich die Besitzerin nicht einmal die Mühe gemacht habe, mit ihm vorher noch mal zu sprechen, wie er sagt. „Vielleicht hätte sich noch eine andere Lösung finden lassen. Die Schließung kam wie wie eine Nacht- und Nebelaktion. Gewusst hat davon im Dorf keiner was. Für Kummerow ist das ein echter Rückschlag. Wir sind auf einem guten Weg, das Schloss kommt voran, der Hafen wird saniert, für den Tourismus wird das Dorf interessanter. Und jetzt macht der Konsum zu. Ich bedauere das sehr und hoffe, es findet sich ein Nachfolger.“

Der Kummerower Konsum ist seit fast 20 Jahren in Besitz der Malchiner Einzelhändler-Familie Dickau. Inzwischen führt Tochter Aurica die Geschäfte, sie betreibt einen modernen Lebensmittelmarkt in der Wargentiner Straße, „nah und frisch“ heißt der Laden. Der Name war auch in Kummerow Programm. Für den Nordkurier war Aurica Dickau für ein Gespräch nicht zu erreichen. „Chefin außer Haus“, hieß es auf Nachfrage. „Und zu Kummerow wird sie auch kaum etwas sagen wollen.“

So sind sie nun auch am Kummerower See fast Geschichte, die legendären kleinen Dorf-Supermärkte, in denen die Verkäuferinnen ihre Kundschaft mit Namen kannten und beinahe vorhersagen konnten, was am Ende an der Kasse im Einkaufskorb lag. Die Lädchen in Meesiger und Sommersdorf – seit Jahren geschlossen. Auch der Landmarkt in Verchen war schon zu, im vorigen Sommer übernahm ihn der Gielower Einzelhändler Diego Marzinke. Doch über Winter lohnt sich offenbar auch für ihn das Geschäft kaum: Seit Neujahr geschlossen, verkündet ein Zettel im Landmarkt-Schaufenster. „Voraussichtlich bis Ende März“. Gut klingt das nicht.

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