Natur-/Umweltschutz :

Kranich und Biber schüren Konflikt

Die Tourismusbranche wirbt gerne mit ihnen, bei den Landwirten stehen sie eher in Verruf: Geschützte Arten. Die Debatte geht weiter.

Eigentlich in Feuchtgebeiten wie hier bei Medrow zu Hause: Kraniche. Dort hat niemand etwas gegen sie.
Archiv/Georg Wagner Eigentlich in Feuchtgebeiten wie hier bei Medrow zu Hause: Kraniche. Dort hat niemand etwas gegen sie.

Wer die Bilder der Demminer Hobby-Naturfotografin Cornelia Wermke sieht, gerät schnell ins Staunen. Kämpfende Seeadler, Fischadler auf Beutezug, Kraniche bei Balztänzen – Cornelia Wermke weiß, wann und wo sie die Tiere für spektakuläre Aufnahmen findet. Doch sie verrät die Plätze in der Regel nicht. Denn sie will einen unkontrollierten Tourismus zu den Revieren der geschützten Arten vermeiden.
Mit ihren Bildern aber hat sie sich einen Namen unter Naturfotografen gemacht. Gleichgesinnte aus Großstädten wie Köln suchen den Kontakt. Sie hoffen, an Peene, Trebel und Tollense zu finden, was es in ihrem Umfeld längst nicht mehr gibt. "Die haben noch nie einen Seeadler gesehen", sagt Cornelia Wermke. Viele blieben für mehrere Tage, übernachten hier, geben hier Geld aus. Insofern, meint Cornelia Wermke, sei der Naturschutz auch Werbung für die Region.

Dass sich die Seltenheiten der hiesigen Natur gut vermarkten lassen, haben auch andere erkannt. Der Demminer Fahrgastkapitän Ingo Müller etwa, der sich bei seinen „Biberfahrten“ ziemlich darauf verlassen kann, dass die Fahrgäste Biber vors Auge bekommen; die Schweizer Reederei der "Excellence Coral", die im vergangenen Herbst eine "Kranichtour" entlang der Peene unternahm und bei den Passagieren aus der Eidgenossenschaft helle Begeisterung erntete; nicht zuletzt der Tourismusverband, der mit den Schönheiten der Naturparks am Kummerower See und im Peenetal um Urlauber wirbt.

Bauern haben Verlust in Tonnen

Doch manch einer verzeichnet auch wirtschaftlichen Schaden. Was den Fischern der Kormoran, das sind den Landwirten Kranich, Gänse und Biber. Gerade während des Vogelzugs im Frühjahr gehen die Vögel zu Tausenden in die Saaten. Bei einem Nahrungsbedarf von mehreren hundert Gramm Körnern täglich, so rechnen die Bauern, geht der Verlust da schnell in die Tonnen. Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl forderte deshalb schon ein regulierendes Eingreifen selbst bei Kranichen.

Der Bauernverband Demmin gibt sich zwar zurückhaltender, doch will er die Frage gleichfalls erörtert wissen. "Das sollte kein Tabuthema sein", fordert seine Geschäftsführerin, Marion Wendt. Denn die Kehrseite des strengen Schutzes sei, dass sich die Tiere mittlerweile uneingeschränkt fortpflanzen können. "Was sie auch tun."

"Eine Plage sieht anders aus."

Allerdings denkt der Verband vor allem an Entschädigungen. Wenn durch gesellschaftlich gewollten Naturschutz einer Klientel Schäden entstünden, müsse die Gesellschaft im Ganzen für die Schäden aufkommen. Davon aber ist Mecklenburg-Vorpommern nach Ansicht des Verbandes weit entfernt. Ein derartiger Fonds des Landes reicht laut Marion Wendt bei Weitem nicht aus. Er enthalte gerade einmal 70 000 Euro. "Das sind Peanuts. Viele Landwirte beantragen schon gar keine Entschädigung mehr, weil sie wissen, dass der Topf leer ist."

Und er zahlt auch nicht für alle Arten. Schäden durch Biber etwa fallen nach Auskunft des Staatlichen Amts für Umwelt und Natur in Neubrandenburg nicht darunter. Die aber haben laut Roland Marsch in den letzten Jahren zugenommen. Der Biber tauche jetzt schon in Gewässern auf, wo er nichts finde, meint der stellvertretende Vorsitzende des Demminer Bauernverbandes. Folge: Der Biber staue Gräben auf, verhindere den Wasserabfluss, Felder würden überschwemmt und der Wasser- und Bodenverband dürfe nicht eingreifen.
Aber hat sich der große Nager tatsächlich schon zu der Landplage entwickelt, für die ihn mancher hält? Die Biologin Geranda Olsthoorn, die sich mit Bibern im Peenetal beschäftigt, winkt da ab. "Eine Plage sieht anders aus." Tatsächlich sei die Zahl der Biber nicht so groß, wie sie gefühlt manchmal erscheine.

Entschädigung erhalten

Insgesamt gibt es nach ihrer Beobachtung an der Peene zwischen Kummerower See und Usedom 110 bis 120 Biberreviere, wobei je Revier zwei bis drei Tiere gerechnet werden. Wie viele in den Nebengewässern leben, weiß sie nicht. Zudem würden nicht alle Jungtiere groß und der Ausbruch einer Krankheit könnte laut Geranda Olsthoorn die Populationen massiv beeinträchtigen. Sie plädiert deshalb für eine unvoreingenommene Diskussion. "Man muss fragen, ob es tatsächlich erhebliche Schäden gibt. Diese Frage muss man ganz ehrlich beantworten." Der Druck aber gehe meist von der Landwirtschaft aus. "Da ist ein Umdenken nötig. Man sollte nicht immer die Wasser- und Bodenverbände unter Druck setzen." Dabei erkennt Geranda Olsthoorn an, dass auf Agrarflächen ein Recht auf Entwässerung besteht. Allerdings müsse man auch schauen, wie weit die Folgen der Biberbauten in diese Flächen reicht. Im Zweifelsfall, glaubt Geranda Olsthoorn, könnten Bauern Flächen auch als Feuchtgebiete ausweisen lassen und dafür eine Entschädigung erhalten.

Dann würde das ein wenig vergrößert, was vielen Bewohnern der Region schon jetzt ein Dorn im Auge ist, von anderen wie Cornelia Wermke aber begrüßt wird: Renaturierungsgebiete wie etwa bei Kützerhof. "Das ist dort ein Paradies", findet sie. "Und das sollte es auch bleiben."

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung