Sparzwang und seine Folgen:

Kulturschock: Museum stellt die Heizung ab

Bis auf Weiteres öffnet das Demminer Regionalmuseum nur noch einmal die Woche – und Besucher sollten sich Mütze und Handschuhe mitbringen. Die Heizkörper bleiben kalt. Der Museumsverein muss sparen. Auch der gekürzten städtischen Zuschüsse wegen.

Wer das Demminer Museum in der Winterzeit besuchen will, der muss sich einen Donnerstag als Termin vormerken. An den anderen Wochentagen sind die Türen für die Gäste geschlossen.
Thoralf Plath Wer das Demminer Museum in der Winterzeit besuchen will, der muss sich einen Donnerstag als Termin vormerken. An den anderen Wochentagen sind die Türen für die Gäste geschlossen.

Die Szene hatte etwas Sinnbildliches. Als das Regionalmuseum neulich zu einem Vortrag über das alte Todenhagen-Kaufhaus einlud, saß auch Karsten Behrens unter den Zuhörern. Irgendwann ging der Demminer zu den Heizkörpern, um zu prüfen, ob die an sind. Kurz darauf nahm er seinen Mantel und ging. „Interessante Veranstaltung, aber es war einfach ein bisschen zu frisch im Saal.“

Das, so hätte Museumschef Hans Clemens erwidern können, hat auch Gründe. Das Museum muss sparen. Darum bleibt die Heizung aus, hält die Räume nur noch frostfrei. So ist das, wenn zwei kommunale Förderer, die Wohnungsbaugesellschaft und die Stadtwerke, ihre Zuschüsse von 15 000 auf 5000 Euro zusammenstreichen. Karsten Behrens, Prokurist bei den Stadtwerken, bekam fröstelnd die Folgen des eigenen Rotstifts zu spüren.

Seit dieser Woche bittet nun auch ein Zettel an der Museumstür im Hanseufer-Zentrum um Verständnis: Bis auf Weiteres nur noch donnerstags geöffnet wegen „Einsparung von Heizkosten“. Weit ist es gekommen mit dem fast hundert Jahre alten Haus der Demminer Geschichte. „Wir hatten im vorigen Jahr 3000 Euro Heizungskosten nachzuzahlen“, sagt Clemens. „Das hat uns bei unserem schmalen Budget richtig wehgetan. In diesem Jahr nun noch die Kürzungen der städtischen Förderungen, da soll uns so etwas nicht noch einmal passieren.“

Darum friert er lieber bei der Arbeit. Für den Fundus sei die Temperatur von knapp elf Grad nicht weiter schlimm: „Im Gegenteil, ein konstant kühles Raumklima vertragen die Exponate sogar gut. Am schädlichsten wäre es, jetzt für Veranstaltungen die Räume warm zu heizen.“Clemens will nicht den Eindruck erwecken, das Haus sei am Ende. „Wir stellen uns auf die Bedingungen ein, dann bleibt im Winter halt die Heizung aus. Wir haben uns diese Variante nicht ausgesucht, in der finanziellen Fürsorge der beiden städtischen Betriebe zu stehen, der Vorschlag kam seinerzeit von der Stadt. Für uns geht es aber um Planungssicherheit, und die haben wir in Demmin leider derzeit nicht.“

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