Verwaiste Friedhöfe:

„Landflucht“ selbst auf dem Friedhof

Mehr Grabstellen werden auf den Friedhöfen eingeebnet als neu „belegt“. Damit die Ruhstätten-Plätze nicht ganz verwaisen, bieten vor allem Kirchengemeinden sogenannte pflegeleichte Rasengräber an. Aber anonyme Bestattungen lehnen sie ab.

Immer weniger Menschen in den Dörfern, wie in Medrow, wollen noch Gräber in Pflege. Damit es nicht ganz leer auf den Friedhöfen wird und die Leute in die Stadt ziehen, suchen Kirchengemeinden und Kommunen nach Alternativen. In vielen Orten gibt es die Möglichkeit für pflegeleichte Rasengräber mit Grabplatte. Foto: Kirsten Gehrke  
Immer weniger Menschen in den Dörfern, wie in Medrow, wollen noch Gräber in Pflege. Damit es nicht ganz leer auf den Friedhöfen wird und die Leute in die Stadt ziehen, suchen Kirchengemeinden und Kommunen nach Alternativen. In vielen Orten gibt es die Möglichkeit für pflegeleichte Rasengräber mit Grabplatte. Foto: Kirsten Gehrke  

Bärbel Westphal hat Sorgen. Nicht nur die Bürger zieht es immer mehr vom Land in die Stadt, auch macht offenbar die „Flucht“ nicht vor den Friedhöfen halt. „Es geht alles nach Demmin“, meint die Bürgermeisterin der Gemeinde Hohenmocker und will die Satzung für den kommunalen Friedhof in Hohenbrünzow überarbeiten lassen. „Sonst muss ich bald einen Gärtner einstellen für die leeren Grabstellen.“ Die Kommune müsse klären, ob anonyme oder pflegevereinfachte Grabstätten möglich sind. Denn der Trend geht dahin. Oft wohnen die Kinder oder andere Verwandten weit weg und können sich um die Gräber nicht kümmern. Deshalb sollte diese anonyme Form auch in Hohenbrünzow möglich werden. Rein satzungsrechtlich ist das bereits erlaubt, sagt Hagen Schröder vom Amt Demmin-Land.

Für die 12 kommunalen Friedhöfe rund um Demmin sind anonyme Urnen-Reihen-Grabstätten vorgesehen. Doch müssen die Gemeinden überlegen, welche Flächen sie dafür ausweisen. Diese müssten dann in die sogenannten Liegepläne eingearbeitet werden.

Bei den kirchlichen Friedhöfen ist man da offenbar schon weiter. In Medrow standen sie vor vier Jahren vor dem selben Problem wie jetzt Hohenbrünzow. „Die Leute wollten nicht mehr nur Erd- und Urnengräber in Pflege“, erinnert sich Ingo Stambusch. So habe man sich im Kirchenrat zusammengesetzt und über Alternativen nachgedacht. Inzwischen seien pflegelose Erdbestattungen möglich, zwar dürfe kein Stein gesetzt, aber eine Tafel ebenerdig angebracht werden. Zudem gibt es eine halb-anonyme Urnen-Gemeinschaftsanlage mit 24 Plätzen. In der Mitte erinnert ein Gedenkstein an die Toten. Wenn Leute wollen, sei auch eine Platte auf dem Urnenfeld erlaubt. „Wer es aber voll anonym will, muss in die Stadt gehen“, meint Stambusch. „Aber bis jetzt sind alle hiergeblieben.“

Ähnliche Erfahrungen hat auch Pastorin Katrin Krüger aus Hohenmocker gemacht. Seit sie die Möglichkeit für Rasengräber mit Stein sowohl für Erd- als auch Urnenbestattungen eingeführt haben, geht die Tendenz nicht mehr in Richtung Stadt. Das werde gut angenommen. In Bartow habe es schon viele solcher Bestattungen gegeben und auch in Hohenmocker. In den anderen Orten sei das noch nicht so gefragt, wie in Utzedel oder Letzin.

Katrin Krüger gibt zu, dass es ein Prozess gewesen ist. Erst auf Anfragen haben sich die Kirchenältesten damit beschäftigt. „Ich habe mich gefreut, dass sie sich gegen anonyme Bestattungen entschieden haben“, sagt die Pastorin. „Das hätte sonst dem christlichen Menschenbild widersprochen.“ Die Möglichkeiten jetzt seien besser. Sonst verschwinde ein Mensch ja ins Nichts. Die Menschen brauchen einen Ort, wo sie hingehen können. Wer partout anonyme Bestattungen möchte, muss woanders hin.

Das sieht auch Pastor Ralf Ott in Beggerow so. „Ich bin strikt gegen anonyme Bestattungen“, sagt er. Für einen christlichen Friedhof komme dies nicht infrage. Es wäre nicht gut, wenn die Menschen keinen Ort zum Trauern haben, sie brauchen den. „Sie müssen den Tod begreifen.“

Aber pflegevereinfachte Gräber mit Rasen sind möglich, in Beggerow gibt es die. Woanders sei noch kein Bedarf. Sechs Friedhöfe bewirtschaftet die Kirchengemeinde. Das werde immer schwieriger, denn die Einnahmen werden geringer. Der demografische Schwund sei auch auf den Friedhöfen zu merken.