Immer mehr junge Leute ohne Job:

Lohn allein ist nichtausschlaggebend

Insbesondere gut ausgebildete Jugendliche verlassen auf Arbeitssuche häufig die Region. Jetzt werden Möglichkeiten zum Gegensteuern gesucht.

Arnold Krüger  
Arnold Krüger  

Die Jugendarbeitslosigkeit im Bereich Demmin ist in den vergangenen zwei Monaten wieder angestiegen – wenn auch auf einem im Vergleich zum Anteil der Älteren niedrigen Niveau. Waren im Juli 165 Menschen im Alter unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet, so sind es jetzt 180, was einem Anteil von 9,6 Prozent aller Erwerbslosen entspricht.

Das kommt indes nicht überraschend. Einen derartigen Anstieg im zweiten Halbjahr kennt der Demminer Geschäftsstellenleiter der Arbeitsagentur, Gerd Bröderdorf, bereits aus früheren Jahren. Der Grund dafür sei das Auslaufen überbetrieblicher Maßnahmen, sagt der. Die entsprechenden jungen Leute seien jetzt auf der Suche nach Arbeit.

Das wäre zumindest theoretisch kaum ein Problem. Denn nach wie vor herrscht in Deutschland Fachkräftemangel. „Für Jugendliche eröffnen sich da Chancen und die Rahmenbedingungen sind nicht schlecht“, weiß Bröderdorf. Vorausgesetzt allerdings, dass die jungen Arbeitssuchenden entsprechend ausgebildet und flexibel sind. Was dann häufig nichts anderes bedeutet, als dass sie aus der Region wegziehen und damit den Fachkräftemangel vor Ort ebenso verstärken wie die zunehmende Überalterung.

Dabei würden viele Jugendliche gerne im Landkreis bleiben, zumindest für die Ausbildung. Bei Männern und Frauen seien Familie und Freunde der wichtigste Beweggrund dafür, hat eine Umfrage unter rund 2800 Azubis an den Berufsschulen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ergeben. Niedrige Lebenshaltungskosten und geringe Ausbildungsvergütung seien hingegen eher nachrangig. Allerdings nehme mit steigenden Bildungsabschlüssen der Wunsch zu, den Landkreis zu verlassen, besonders bei Frauen.

Die mehr als 150 Seiten starke Dokumentation zur Berufsschulumfrage von der Stabsstelle Bildung des Landkreises bezieht sich auf Daten aus dem Zeitraum zwischen Dezember 2011 und März 2012. An der ganzen Problematik hat sich seither nicht viel geändert. Das sieht offenbar auch die Kreistagsfraktion der Linken so. Insbesondere gut ausgebildete junge Leute meinten, nach dem Schulabschluss oder der Lehre die Region verlassen zu müssen. Um das zu ändern, seien verschiedenste Instrumente nötig, so Fraktionsvorsitzender Arnold Krüger. Vor allem nennt er dafür langfristig gesicherte und gut bezahlte Arbeitsplätze.

Ein ordentlicher Verdienst allein aber würde nach Einschätzung von Gerd Bröderdorf nicht reichen. „Man muss vor Ort auch attraktive Bedingungen schaffen.“ Denn die Jugendlichen würden sich ebenso an Faktoren wie Karrieremöglichkeiten oder dem Betriebsklima orientieren.

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