Längst eingelebt im alten neuen Land:

Luxemburgerin mischtin der Dorfpolitik kräftig mit

Die Familie Beringer aus Hamburg ist angekommen in Mecklenburg-Vorpommern. Jeanny Beringer engagiert sich in der Gemeindevertretung, an den Luxemburger Akzent hat man sich inzwischen gewöhnt, auch an ihr Temperament.

Jeanny Beringer fühlt sich wohl in dem kleinen Dorf Böken, auch wenn es sie immer wieder hinaus in die weite Welt zieht. Foto: Gudrun Herzberg
Gudrun Herzberg Jeanny Beringer fühlt sich wohl in dem kleinen Dorf Böken, auch wenn es sie immer wieder hinaus in die weite Welt zieht. Foto: Gudrun Herzberg

Von Luxemburg nach Böken, das ist schon ein gewaltiger Sprung. Wo liegt eigentlich Böken? In Mecklenburg-Vorpommern, als kleiner Ortsteil der Gemeinde Görmin. Hierher hat es Jeanny Beringer mit ihrer Familie nach der Wende verschlagen. Sie ist angekommen in ihrer neuen Heimat, fühlt sich wohl auf dem Dorf. Angefangen hat für sie alles mit der Begegnung ihrer großen Liebe. Im Flugzeug, auf dem Weg von London nach Miami, lernte sie ihren Mann kennen. Sie war auf dem Weg in den Urlaub, er auf Geschäftsreise. Und dann hieß es für beide, wo soll der gemeinsame Wohnsitz sein. „Ich bin ein Mensch, der sich schnell integriert, schnell Anschluss findet. Außerdem konnte ich die deutsche Sprache schon ganz gut, so zog ich zu meinem Mann nach Hamburg“, erzählt Jeanny Beringer. Sie schaut aus dem Fenster, in den großen Park am Gutshaus von Böken.

Wie kam die Familie eigentlich nach Mecklenburg-Vorpommern? „Mein Vater schwärmte von Wismar. Als die Wende kam, war er allerdings schon zu alt, um dort noch einmal hinzufahren. Aber mich ließen die Geschichten nicht los, so fuhren wir nach Wismar. Toll fand ich die Landschaft dort und da wir für die Familie ein größeres Haus suchten, wurden wir im Hamburger Abendblatt fündig. Es hieß dort, dass Gutshäuser verkauft werden“, erinnert sich Jeanny Beringer. Wichtig war für die Familie, dass die Kinder in der Nähe zur Schule gehen können und vielleicht auch studieren. Von Böken ist es nicht weit nach Greifswald. So wurde das Gutshaus in Böken gekauft und in den ersten fünf Jahren viel gearbeitet, um zu renovieren. 1995 sollte zum ersten Mal Weihnachten mit der Familie gefeiert werden. Auch die Firma Beringer zog von Hamburg nach Böken um.

Auch in Böken fand Jeanny Beringer schnell Anschluss. „Wir wurden gut aufgenommen, aber ich habe auch gemerkt, dass es zu spüren war, wie man im Westen dazu stand, wenn jemand in den Osten ging, und zwar sehr skeptisch. Da galt es schon, Überzeugungsarbeit zu leisten“, meint sie. Es habe eben doch wenige gegeben, die aus dem Westen kamen und geblieben sind. „Es regt mich auf, wenn jemand hier Häuser kauft und sie dann verfallen lässt“, sagt sie. Die engagierte Frau sitzt heute in verschiedenen Gremien für die SPD, in der Gemeindevertretung Görmin, im Kreistag Vorpommern-Greifswald, im Bundesvorstand für Selbstständige, in der Industrie- und Handelskammer. Sie geht viel auf Reisen und kommt immer gern nach Hause zurück, nach Böken.

 

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