Streit um Plastik findet ein Ende:

Maria bald im Doppelpack

Von allen Schätzen, die Demmins Regionalmuseum hütet, ist sie der kostbarste: die Wolkwitzer Madonna. Über 700 Jahre ist sie alt und so wertvoll, dass sie nur hinter Glas gezeigt wird. Doch nun bekommt sie wohl bald eine „Schwester“.

Die "Wolkwitzer Madonna" gilt als eine der ältesten und wertvollsten Mariendarstellungen Norddeutschlands. Seit einem Jahr ist die um 1250 vermutlich von einem Lübecker Meister geschaffene Schnitzplastik im Demminer Regionalmuseum zu bewundern - sicherheitshalber hinter Glas.  
Thoralf Plath Die "Wolkwitzer Madonna" gilt als eine der ältesten und wertvollsten Mariendarstellungen Norddeutschlands. Seit einem Jahr ist die um 1250 vermutlich von einem Lübecker Meister geschaffene Schnitzplastik im Demminer Regionalmuseum zu bewundern - sicherheitshalber hinter Glas.  

Gleich neben der Tür sitzt sie in ihrem Glassarg, eine Gestalt von anmutiger, sanfter Schönheit, wie sie ein unbekannter Meister schuf um das Jahr  1250 herum. Etwas versunken Rätselhaftes umspielt ihre Gestik, die Gesichtszüge, den filigranen Faltenwurf, man denkt an das Lächeln der Mona Lisa. Die „Wolkwitzer Madonna“ hat etwas, was selten geworden ist in der plastischen Kunst. Sie hat eine Seele.

Gertraude Bauer wird es nicht leicht haben. Die Bildhauerin aus Klenz bei Trittelwitz soll eine Nachbildung der kostbaren Schnitzplastik anfertigen, eine Madonna für Wolkwitz sozusagen. Denn das Original gilt als viel zu wertvoll, um sie in jene Dorfkirche zurückzustellen, aus der sie stammt – und aus der sie 1924 ins Demminer Kreisheimatmuseum kam. Man könnte auch sagen, gerettet wurde. Denn nichts anderes tat Studienrat Paul Thielscher seinerzeit: Er bewahrte gleich mehrere Madonnenfiguren aus Dorfkirchen am Kummerower See davor, als Brennholz zu enden.

Kopie soll im Frühjahr 2014 fertig sein

Doch Zeiten ändern sich, in vielen Kirchengemeinden entdecken evangelische Christen heute die Spiritualität wieder. Darum holte Pastorin Christa Heinke schon 2005 die Sommersdorfer Madonnenskulptur aus einem Greifswalder Kirchenarchiv zurück in die Dorfkirche. Bald darauf begann sich die kleine Wolkwitzer Gemeinde zusammen mit Pastor Detlev Brick und dem Demminer Museumsschef Hans Clemens um die Heimkehr ihrer Marienfigur zu bemühen, im vorigen Jahr gelang das. Allerdings endete die Reise im Regionalmuseum. Vor allem aus Sicherheitsgründen. „Aber nach unserem Verständnis gehört sie auch im kunsthistorischen Kontext in unsere Ausstellung, frei von spiritueller Sicht.“

Darum müssen Pastor Brick und seine Christen für das Wolkwitzer Bethaus eine Kopie der Plastik anfertigen lassen. Gertraude Bauer wird Marias Schwester in Ton modellieren und brennen. Das Besondere: Sie wird im Museum arbeiten. Einen Platz in der Wolkwitzer Kirche gibt es schon: an der Wand gegenüber dem Alter. Dorthin soll sie im Frühling 2014 zurückkehren.

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