Material beschlagnahmt:

Militärpolizei schreitet gegen Hobby-Filmer ein

Eigentlich war der Tag der Reservisten in Demmin eine öffentliche Veranstaltung. Dennoch fühlten sich Feldjäger durch die Aufnahmen von Georg Schramm gestört. Die sind nun weg.

Zum Tag der Reservisten in Demmin präsentierte die Bundeswehr ihre Technik auf dem Marktplatz, auch das Flugabwehrsystem "Patriot".
Zum Tag der Reservisten in Demmin präsentierte die Bundeswehr ihre Technik auf dem Marktplatz, auch das Flugabwehrsystem "Patriot".

Georg Schramm ist immer noch innerlich aufgewühlt. Er musste erst eine Nacht drüber schlafen und den Schock verdauen. Der Hobby-Filmemacher hat am Tag der Reservisten in Demmin eigentlich nur das gemacht, was er immer macht, wenn in der Hansestadt Veranstaltungen stattfinden. Er dokumentiert diese und berichtet darüber im Internet.

Diesmal jedoch haben die Feldjäger, die Militärpolizei der Bundeswehr, und die Polizei sein Filmmaterial beschlagnahmt. Denn Schramm nahm auch eine Szene auf, als zwei Männer die Eröffnung der Veranstaltung störten. Diese hatten laut deutlich gemacht, dass sie gegen den Technik-Aufmarsch der Bundeswehr auf dem Marktplatz waren. Für sie war es mehr als unpassend, einen Tag vor dem Weltfriedenstag „Kriegsgerät“ zu präsentieren und Böllerschüsse abzufeuern. Ihr Protest passte offenbar nicht jedem. Militär und Polizei verwiesen die „Störer“ vom Platz, zogen sie von der Bühne weg. All das hat Georg Schramm gefilmt, wie auch das übrige Treiben auf dem Marktplatz.

Erst sollte die ganze Kamera beschlagnahmt werden

Nun sind seine Aufzeichnungen weg, alle. Denn wenig später hat ihn die Militärpolizei festgehalten und das Filmmaterial sichergestellt. Sie haben seine Daten aufgenommen, als sei er ein Verbrecher. Zuerst wollten sie sogar seine gesamte Kamera einbehalten. „Aber die ist doch mein ganzer Schatz“, sagt der Hobby-Filmer, immer noch aufgebracht. Die Situation empfand er für sich bedrohlich.  Ein Polizist des Demminer Reviers habe sich dann noch für ihn eingesetzt, dass er nicht seine ganze Kamera abgeben musste, sondern nur den Chip.

Gern hätte Georg Schramm einen Bericht über die Veranstaltung gemacht, wie sonst auch. „Wenn jemand sagt, er will nicht auf den Bildern drauf sein, akzeptiere ich das“, sagt er, der jahrelange Erfahrungen hat. Doch nun fühlt er sich in seiner Meinungsfreiheit eingeschränkt. „Ich finde, so wie ich behindert wurde zu filmen und zu fotografieren, das habe ich alles schon mal in der DDR erlebt.“ Der Tag der Reservisten war eine öffentliche Veranstaltung. Und das darf nicht dokumentiert werden?

Feldjäger verwiesen auf Hausrecht

„Wenn wir was zu verbergen hätten, sollten wir in der Kaserne bleiben“, stellte am Dienstag zunächst Oberstleutnant Klaus Brandel, Leiter der Pressearbeit des Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern, klar. Wenn sie nicht gewollt hätten, dass die Fahrzeuge gefilmt oder fotografiert werden, hätten sie sie nicht auf den Platz gestellt. Vertuschen wolle niemand etwas.

Aber der Hobby-Filmer sei mehrfach von den Feldjägern darauf hingewiesen worden, dass er sich mit den Aufnahmen zurückhalten solle, und verwiesen auf ihr Hausrecht. Der Chip sei nicht beschlagnahmt, sondern sichergestellt worden, stellte Brandel richtig. Die Feldjäger hätten den Eindruck gehabt, dass sie selbst gefilmt werden, und hätten auf ihr Recht am eigenen Bild hingewiesen.

„Irgendein Fehlverhalten muss es gegeben haben“

Warum der Chip sichergestellt wurde, soll jetzt rechtlich geprüft werden. Wenn die Daten gesichtet und gegebenenfalls gelöscht wurden, erhalte der Eigentümer den Chip zurück. Solange es ruhig und gesittet laufe, habe man nichts dagegen, dass fotografiert werde. Man gehe ja auch bewusst in die Öffentlichkeit. „Irgendein Fehlverhalten muss es gegeben haben“, vermutete Brandel, der selbst nicht vor Ort war.

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Kommentare (1)

Was wäre passiert, wenn nicht der "Hobby-Filmer" sondern ein Mitarbeiter des Nordkuriers den Protest zum Tag der Reservisten im Bild dokumentiert hätte? Hätte sich der Nordkurier vom Hinweis auf das Hausrecht abspeisen lassen?