Senior auf dem Fahrrad:

Mit 89 Jahren noch topfit im Sattel

Rudi Bobzin fuhr in diesem Jahr an 172 Tagen Rad und legte 4613 Kilometer zurück. Er suchte sich Touren rund um Demmin und ist auch als „gelber Engel“ bekannt.

Rudi Bobzin ist gerade 89. geworden. In diesem Jahr legte er 4613 Kilometer mit dem Fahrrad zurück. Wenn er sein Tagespensum geradelt ist, fühlt er sich wohl, wie er sagt.
Kirsten Gehrke Rudi Bobzin ist gerade 89. geworden. In diesem Jahr legte er 4613 Kilometer mit dem Fahrrad zurück. Wenn er sein Tagespensum geradelt ist, fühlt er sich wohl, wie er sagt.

Über die Weihnachtstage hat es Rudi Bobzin schon wieder in den Beinen gejuckt. Kein Schnee und milde Temperaturen, genau das richtige Wetter, um aufs Rad zu steigen. Lange vorbereiten muss er sich nicht. Die gelbe Weste hängt griffbereit in der Garage, auch der Helm, und das Fahrrad ist sowieso das ganze Jahr über in Schuss.

Der Demminer will nicht kürzertreten. Gerade erst hat er seinen 89. Geburtstag gefeiert und hatte im Oktober Eiserne Hochzeit mit Frau Liesa. „Es soll Ansporn auch für andere sein“, sagt er. „Ich fühle mich bestens.“ Radfahren sei auch etwas für Ältere. Muskulatur, Herz und Durchblutung würden trainiert. „Wenn ich auf dem Rad gesessen habe, ist alles in Ordnung.“ Der Senior lacht.

Das Jahr ist noch gar nicht zu Ende, da hat er schon „Kassensturz“ gemacht. Er wusste ja nicht, wie das Wetter wird. So hält er sich an seinen Geburtstag, den 20. Dezember. Bis dahin saß er an 172 Tagen in diesem Jahr im Sattel und legte 4613 Kilometer in der Region zurück. Noch mehr als ein Jahr zuvor. Da waren es an 152 Tagen „nur“ 4000 Kilometer. Er führt genau Buch. Ehrgeizig ist der Senior schon, setzt sich Ziele, aber um Ehrgeiz geht es ihm dabei nicht, sagt er. Er will sich fit halten, Menschen unterwegs treffen, die Landschaft und Dörfer beobachten.

Während er früher in der Gruppe bei Medizin Demmin radelte, ist er seit zwei Jahren solo unterwegs. Immer am Vormittag geht er auf Tour, sucht sich jeden Tag eine andere Strecke aus. „Welche Richtung hängt vom Wind ab“, erklärt er. Kommt er aus Südwest, geht‘s über Drönnewitz über Wotenick, Nossendorf, Seedorf. Da hat er den Wind die meiste Zeit von hinten. Nur in der Woldeforst kommt er von vorn. „Ich höre immer den Wetterbericht.“ Zehn Touren hat er in der engeren Wahl, immer zwischen 30 und 35 Kilometer, manchmal auch mehr. In diesem Jahr sei er oft über die neue Peenebrücke in Loitz geradelt und habe sich gefreut, dass der Radweg zwischen Demmin und Loitz jetzt geschlossen ist. Die Route über Pensin sei indes ohne Radweg sehr eng und gefährlich. „Seitdem die Brücke Loitz fertig ist, hat der Verkehr ganz schön zugenommen, deshalb nehme ich lieber die Strecke über Kletzin, die ist breiter.“ Allein könne er fahren, wie er will. „Es macht Spaß, und ich sehe alles“, sagt er. Wie die Bauern die Äcker bestellen, die Saat aufgeht, später geerntet wird. Unterwegs hält er hier und da ein Schwätzchen, in Rustow sagen sie schon, da kommt wieder der gelbe Engel.

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