:

Mit dem Schulbus geht es übers Land

VonKerstin PöllerEin Dorf ohne Schule, davon gibt es inzwischen mehrere. Tentzerow hat die Turnhalle zur einer Begegnungsstätte für Sport, Tanz und Feiern ...

Fränze schaukelt gern. Mutter Heike Bethel schaut ihr dabei zu. Die Familie wohnt gegenüber der ehemaligen Schule in Tentzerow. [KT_CREDIT] FOTO: Kerstin Pöller

VonKerstin Pöller

Ein Dorf ohne Schule, davon gibt es inzwischen mehrere. Tentzerow hat die Turnhalle zur einer Begegnungsstätte für Sport, Tanz und Feiern umgerüstet.

Tentzerow.Das Dorf träumt in der Mittagssonne. Die uralten, noch blattlosen Äste der Linden an Tentzerows Hauptverkehrsader wiegen sich leicht im Wind. Nur Taiga, Bethels kleine Schäferhündin, gleich vorn am weinrot verputzten Haus, tobt quer durch den gepflegten Frühlingsgarten unerschrocken hinter der ersten Biene des Jahres her.Fränze taucht auf. Sie ist gerade 10, ruft Taiga zu sich und schwingt sich auf die Schaukel. Früh, sehr früh hat der Tag heute für sie wieder angefangen: Um halb sieben fuhr ihr Schulbus ab nach Sarow. Dabei wohnt sie mit ihren Eltern Jens und Heike im ehemaligen Tentzerower Kindergarten und hätte eigentlich die Schule gleich im Haus gegenüber besuchen können. Doch sieben Tentzerower Kinder und die 15 aus Hohenmocker, dem Dorf gleich nebenan, – das reichte leider nicht mehr. Und so wurde die Schule 2005 geschlossen und zum Wohnhaus gemacht. „Dabei waren Schulen in Tentzerow immer etwas Besonderes“, erinnert sich Bürgermeisterin Bärbel Westphal, gerade auf Stippvisite, während sie ihren Turnhallenschlüssel sucht: „Die alte Tentzerower Schule war 1946 die erste, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Kreis Demmin gebaut wurde. Und 1989 entstand hier im Sozialismus die letzte neue Schule des Kreises Demmin.“
Die Turnhalle ist picobello in Ordnung – aber eigentlich gar keine Turnhalle. „Der LPG-Vorsitzende damals hat zu DDR-Zeiten zwei Futterhallen bestellt in der Hoffnung, dass wenigstens eine geliefert wird. Es kamen aber wirklich zwei!“ Die zweite wurde dann kurzerhand für den Schulsport genutzt – mit kleinen Schönheitsfehlern: Sie hatte nicht die Standard-Größe, Fensterbretter, die in den Raum ragten, falsche Türdrücker und keine Vergitterung vor den Fenstern, um ungefährdet Ball spielen zu können. Das alles nachzurüsten, da war sich die Gemeindevertretung später einig, wäre zu teuer gewesen. Und Sarow hat ja eine Wettkampf-Halle. Also verkleinerten die Tentzerower ihre Parkettfläche und bauten Gemeinschaftsraum, Jugendklub und Küche ein. Für die Tischtennis-Spieler,
Linedancer und die Rückenschule reicht die Halle gut aus, und für Familienfeiern wie die Konfirmation vor ein paar Tagen wird sie gern gemietet. Auch der Dorfklub unter Leitung von Carmen Kliewe nutzt die Räume – die Mitglieder organisieren Frauentags- und Weihnachtsfeier, Erntefest ...
Nur der Jugendclub im hinteren Raum ist inzwischen verwaist, das Inventar zur Abholung verpackt. „Schade“, meint Bärbel Westphal. „hier war jeden Tag was los, die Kinder und Jugendlichen haben mit Ute Toboldt aus Hohenbrünzow alles nach ihren Vorstellungen gemalert und eingerichtet.“ Aber als die Personal-Förderung in diesem Jahr wegbrach, konnte die Gemeinde das finanziell nicht kompensieren.
„Wenn ich sehe, was andere Gemeinden für ihre Bürger machen, ist das zum Vergleich im reichen Tentzerow recht mager“, kritisiert Jens Bethel, Fränzes Vater. „Tentzerow ist eines unserer schönsten Dörfer, finde ich!“, sagt die Bürgermeisterin. Aber sie weiß um den Ärger: „der zweite fehlende Bürgersteig. Ja, man kann natürlich alles bauen, aber der Gehweg wäre umlagepflichtig für die Anwohner. Und davon sind nicht alle begeistert ...“ Jetzt werde es erst mal gleich hinter Tentzerow noch eine Vollsperrung geben: Ab 13. Mai ist die Landesstraße von der alten Eiche bis zum Knüppeldamm nach Peeselin komplett dicht. Ende August 2013 – früher als ursprünglich geplant – wollen die Bauarbeiter die Straße fertigstellen.