Das Stadtgedächtnis im Kreuzfeuer:

Museum in Not - was tun, Demmin?

Seltsam: Das Demminer Museum muss immer erst in Not geraten, damit es von jenen wahrgenommen wird, die Mittel und Möglichkeiten hätten, es zu unterstützen. Steigt die Stadt wieder stärker in die Debatte um die Zukunft des Regionalmuseums ein? Zu wünschen wäre es.

Ungewisse Zukunft: das Demminer Stadtmuseum.
Thoralf Plath Ungewisse Zukunft: das Demminer Stadtmuseum.

Kommt die Rede auf das Demminer Regionalmuseum, gehen die Meinungen weit auseinander im Städtele. Es gibt Leute, die finden, dass Hans Clemens und seine Mannschaft doch eigentlich einen gute Job macht, unter den schwierigen Umständen. Andere sind enttäuscht, ihnen gefiel das Kreisheimatmuseum alten Zuschnitts besser. Sie hätten lieber eine klassische, vorzeigbare, Heimatgeschichte erlebbar machende Ausstellung als akademisch-historisches Forschen, das sich Besuchern nun einmal schwer erschließt. Auch der Standort: umstritten. Soll es im Hanseufer-Zentrum bleiben, zusammengepfercht auf dem Platz einer Dreiraumwohnung und abgetrennt von Magazin und Archiv, die nur im winzigen Lift erreichbar sind? Oder wieder an den alten Platz in der Pompestraße zurück? Ist die Idee, den Berliner Speicher am Hafen zu nutzen, wirklich realistisch - oder eher das kommunale Projekt, ein altes Bürgerhaus in der Gartenstraße, also mitten in der Stadt, zum Museum umzubauen?

So viele Fragen. So wenige Antworten. In einem immerhin sind sich dann doch fast alle einig: Einpacken, schließen, verschwinden aus der Stadt, nein das soll unser Museum dann doch nicht.

In der Pflicht ist der Landkreis

Aber wie kann man es halten, wer soll es bezahlen? In der Pflicht ist eigentlich der Landkreis. Ihm gehört die Sammlung der mehreren tausend Exponate, der Trägerverein ist nur mit der Betreibung beauftragt - 50 000 Euro gibts dafür pro Jahr. Die Förderung läuft zum Jahresende aus, was dann ist, weiß niemand. Bislang liegt nur eine Offerte auf dem Tisch, sie wurde im Kulturausschuss des Kreistages diskutiert: noch zwei Jahre so weiterzahlen und dann den Förderbetrag stufenweise "abschmelzen".

Stellt sich die Frage, ob dann die Hansestadt mehr als bisher in die Bresche springen würde, um das Museum zu halten - und als Gedächtnisort überwiegend Demminer Geschichte auch stärker zu prägen. Die Variante stand schon einmal, ehe der Kreis die Sammlung dann dem Verein in Pflege gab. Denn Stadt und Landkreis wurden sich nicht handelseinig über den Zuschuss, der für einen Betrieb des Museums nötig war.

"Wir sollten nun natürlich erst mal abwarten, was der Landkreis überhaupt vorhat mit seinem Museum, denn das ist es ja de facto noch", sagt Reinhardt Friedrichs, SPD-Fraktionschef im Stadtparlament. Als gebürtiger Demminer hat er viele Erinnerungen an die Ausstellung, er kommt ins Schwärmen über das alte, klassische Kreisheimatmuseum, dessen ursprüngliches Haus in der Pompestraße speziell für die Exposition entworfen und gebaut worden war.

SPD: Rückkehr an den alten Standort

Darum plädiert Friedrichs auch ohne Wenn und Aber für eine Rückkehr des Museums an den alten Standort. Und meint dabei viele Demminer hinter sich zu haben. "Das, was wir da jetzt haben am Hafen, das ist doch nichts halbes und nichts ganzes."

Hat er darum im Aufsichtsrat der Stadtwerke dafür gestimmt, dem Regionalmuseum die ohnehin knappen städtischen Zuschüsse noch einmal glatt zu halbieren? Sich für den Erhalt einer Kulturstätte zu engagieren kann man sich auch anders vorstellen.

Doch Friedrichs, bekannt für seine Geradlinigkeit, fährt auch hier klare Kante. "Wir haben als städtische Betriebe je 7500 Euro gegeben und bekamen dafür als Nachweis der Mittelverwendung vom Museum eine allgemeine Kostenabrechnung. Was soll das? Ich möchte wissen bei einem solchen Sponsoring, wieviel Demmin steckt drin in der Jahresarbeit, was konkret hat Demmin davon?" Er erwarte von dem Museum, dass es sich für die Demminer und ihre Erwartungen an Ausstellungen und Veranstaltungen mehr öffne. "Das Museum muss den Demminern entgegenkommen, dass die sich wieder für die Ausstellung interessieren. Was interessiert mich der Streit um ein Altargemälde, das nach Dargun gehört und jetzt in Nossendorf hängt? Die Ausstellung ist das reinste Sammelsurium. Da geht doch kein Mensch mehr hin mittlerweile!"

CDU: Bessere Kommunikation angemahnt

Ähnlich hatte sich jüngst auch CDU-Fraktionschef Thomas Witkowski geäußert, eine bessere Kommunikation zwischen Museum und städtischen Gremien anregend. Er werde da vermitteln, was immer gehe: "Natürlich wollen wir alle, dass sich unser Museum weiterentwickelt und der Stadt erhalten bleibt. Die Frage ist, was konkret welche Seite dafür tun kann und muss. Solange wir nicht miteinander reden, wird sich da kaum etwas tun."

Einige Treffen soll es in nächster Zeit wohl endlich geben - zwischen der Museumsleitung und den Aufsichtsräten der Kommunalbetriebe Stadtwerke und WVG etwa. "Eine Einladung ins Museum zu so einem Gespräch wünsche ich mir seit zwei Jahren", sagt Friedrichs. Auch der Knauf an der Museumstür missfällt ihm. "Früher war das Museum offen. Da konnte jeder rein, ohne klingeln zu müssen. Das ist vielleicht eine Kleinigkeit, aber sehr symbolisch. Das Museum sollte sich öffnen, und es darf auch ein bisschen bodenständiger werden. Dann hat man es auch leichter mit Sponsoren."

 

 

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