Adventskonzert vor großer Kulisse:

Musik erklingt im Schein der Kerzen

Trompeten, Hörner, Tubas, Posaunen: Mehr als 60 Bläser stimmten wieder auf Weihnachten ein. Nur die Zeitung hatte vorher schon gepetzt.

Rund 50 Musiker spielten unter Leitung von Dieter Söffky im Altarraum von St. Bartholomaei.
Georg Wagner Rund 50 Musiker spielten unter Leitung von Dieter Söffky im Altarraum von St. Bartholomaei.

Wenn die Tage am kürzesten sind und der Trubel der Weihnachtsvorbereitungen sich noch einmal beschleunigt, dann wird es in Demmin für kurze Zeit ruhig. Jeweils am Vorabend des vierten Advent stimmt in der großen Stadtkirche der Gnadauer Posaunenbund die Menschen auf das Weihnachtsfest ein. Eine besinnliche Stunde, bei der alle Hektik draußen vor der Tür bleibt. „Das“, erzählt Susanna Fischer, „lasse ich mir nie entgehen.“

Seit 20 Jahren kommt die junge Frau Advent für Advent ins dämmerige St. Bartholomaei, um die Musik der Bläser zu genießen. Vor allem den Schluss. „So wie die ‚Oh du fröhliche‘ spielen, macht es sonst keiner“, sagt sie. Das gehe ihr durch und durch.

Noch aber ist es nicht so weit. Ein letzter Rest von Tageslicht fällt durch die großen Fenster. Vorne im hell ausgestrahlten Altarraum blitzt das Messing der Trompeten und Hörner, setzen die Instrumente auf das Zeichen von Dieter Söffky ein zu Glucks „Hoch tut euch auf ihr Tore der Welt“. In den von Hunderten Besuchern besetzten Bänken des Kirchenschiffs hingegen leuchten warm Kerzen. Sie geben dem traditionellen Konzert seinen Namen: Bläsermusik im Kerzenschein.

Zum 45. Mal findet sie jetzt statt. Rund 50 Musikerinnen und Musiker jeden Alters aus Demmin, Beggerow, Stavenhagen, Altentreptow, Bansin und Heringsdorf dirigiert Dieter Söffky vorne, weitere zwölf aus Stralsund klingen immer wieder von der Orgelempore herab. Stereo-Sound live sozusagen, vorgetragen von einem Ensemble, das spielend die große Kirche mit Klang bis unter die hohen Gewölbe ausfüllt und eine musikalische Soirée gestaltet, die Weihnachten gewissermaßen auf das zurückführt, was es eigentlich ist.

Geschenke gehören dazu, Glühwein, Gebäck, Feiern. Doch das alles sei eigentlich nur Verpackung, sagt Propst Gerd Panknin in seiner kurzen Predigt und packt auf der Kanzel eine kleine Krippe aus. An ihr hängt ein Herz mit den Worten „Ich liebe dich“. Das, gibt Panknin zu bedenken, „sind die Worte, die Gott uns sagt: Ich liebe dich, Menschenkind, so wie du bist. Diese kleine Krippe ist das Herz der Weihnacht.“

Mag sein, dass Viele das fühlen bei den von Kathrin Werner rezitierten, nachdenklichen Gedichten und beim musikalischen Programm, das immer wieder zum Mitsingen einlädt bei traditionellen Weihnachtsliedern wie „Tochter Zion“, „Kling Glöckchen“ oder „Ihr Kinderlein kommet“. Manch einer aus dem Publikum stimmt da gerne ein. Bis nach einem, so Dieter Söffky, „flotten Ritt auf einem Kamel“, natürlich einem musikalischen mit dem spanischen Lied „Los reyes magos“, Susanna Fischer das bekommt, worauf sie sich am meisten freut: „Oh du fröhliche“, gespielt als erste Zugabe. Eine zweite gibt‘s auch noch. „Die Zeitung hat schon gepetzt“, kündigt Dieter Söffky sie schmunzelnd an. „Ich konnte es nicht verbergen, sie hat so intensiv gefragt. Es kommt noch ‚Stille Nacht‘.“