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Notstand bei der Wehr

Zum ersten Mal stellt ein Demminer Wehrführer offen die Frage, wie lange die Freiwilligkeit der Feuerwehr in der Hansestadt noch funktioniert. Die aktive Gruppe der Brandbekämpfer erreicht nicht einmal mehr annähernd die gesetzliche Mindeststärke. Wie soll das weitergehen?

Demmins Wehrleiter Thomas Rohleder: „Wenn es mit dem Personal weiter so abwärts geht, müssen wir uns Gedanken über die Freiwilligkeit unserer Feuerwehr machen“.
Thoralf Plath Demmins Wehrleiter Thomas Rohleder: „Wenn es mit dem Personal weiter so abwärts geht, müssen wir uns Gedanken über die Freiwilligkeit unserer Feuerwehr machen“.

Wenn Demmins Feuerwehr-Chef Thomas Rohleder an seine Truppe denkt, dann ist ihm gar nicht feierlich ums Herz: Nachwuchs fehlt. Die Personalnot wird immer offensichtlicher, selbst und gerade im aktiven Teil der Kameraden. Doch die Freiwillige Feuerwehr der Hansestadt ist nicht irgendein Traditionsverein. Sie ist die Schwerpunktwehr im Demminer Land, hochgerüstet und ausgebildet. Eine ganze Region verlässt sich auf sie. Kann sie es noch?

Am Sonnabend, zur Jahreshauptversammlung im Wehrhaus am Klinkenberg, nahm Thomas Rohleder kein Blatt vor den Mund. „Wenn der Abwärtstrend so weitergeht, müssen wir uns Gedanken über die Freiwilligkeit unserer Feuerwehr machen“: So deutlich hat noch kein Wehrführer die Zukunftssorgen der aktuell noch 41 aktiven Demminer Brandbekämpfer ausgedrückt! So lichterloh gebrannt hat es freilich auch noch nie in der Personal-Perspektive: Im Lauf eines Jahres haben sich weitere fünf Kameraden aus der aktiven Laufbahn verabschiedet.

Die gesetzlichen Vorgaben werden nicht erfüllt

Die aktive Gruppe einer Schwerpunkt-Feuerwehr soll einschließlich Einsatzleitung mindestens 38 Mann in Bereitschaft haben, das ordnet der Gesetzgeber so an. Kommen zusätzliche Aufgaben dazu, wie das in Demmin mit der Wassergefahrengruppe und der Schienenrettung der Fall ist, verdoppelt sich die Sollstärke. Zahlen, die für sich sprechen. 74 Kameraden. Woher nehmen, wenn nicht verpflichten?

„Eigentlich sollte so eine Gruppenstärke überhaupt nicht das Problem sein“, meint dabei Demmins Wehrführer, „in einer Stadt mit 12 000 Einwohnern sind das noch nicht mal ein Prozent! Aber wir sind weit davon entfernt.“ Um den Hoffnungsstreif am Horizont des Demminer Feuerwehrpersonals steht es bislang auch noch nicht so leuchtend – bei gerade mal neun Kindern in der Jugendwehr und zehn Löschzwergen.