Gewalt an der Grundschule:

Polizeieinsatz nach Ausraster von Erstklässler

Kein halbes Jahr nach dem Gewaltausbruch eines Drittklässlers an der Schönfelder Grundschule muss dort erneut die Polizei eingreifen. Wieder ist ein Junge ausgerastet, er lernt in der ersten Klasse. Die Schule schweigt dazu.

Die kleine Schönfelder Grundschule wirkt wie ein Stück heile Welt. Doch das Bild hat Kratzer bekommen nach dem Gewaltausbruch eines Schülers, der mehrere Autos zerkratzt und Mitschüler verletzt haben soll.
Thoralf Plath Die kleine Schönfelder Grundschule wirkt wie ein Stück heile Welt. Doch das Bild hat Kratzer bekommen nach dem Gewaltausbruch eines Schülers, der mehrere Autos zerkratzt und Mitschüler verletzt haben soll.

Schon wieder! Vergangene Woche rückte die Polizei in der Schönfelder Grundschule an. Zu Hilfe gerufen von der Schulleiterin. Sie sah offenbar keinen anderen Ausweg als die Hilfe durch die Beamten, nachdem ein Erstklässler mehrere vor der Schule geparkte Autos zerkratzt und offenbar gleich drei seiner Mitschüler verletzt hatte. Die Rede ist von Fußtritten, Biss- und Kratzwunden.

Diese Angaben stammen von der Demminer Polizei, deren Protokoll den Sachschaden nüchtern auf 400 Euro beziffert. Vor Ort in der Schule ist niemand bereit, darüber zu reden, was sich dort am Mittwochmorgen abspielte und wie genau es dazu kam.

„Ich möchte dazu nichts sagen“, lehnt Schulleiterin Elke Rech freundlich, aber bestimmt jede Auskunft ab. Eine ihrer Kolleginnen reagiert auf die Frage, was denn eigentlich passiert sei, schroff abweisend: „Ich weiß nichts.“ Dazu Blicke, als sei ein Feind in die Schule eingedrungen und nicht jemand, der besorgt nachfragt.

Lehrerinnen trifft gar kein Vorwurf

Natürlich wissen sie, was los war, alle zusammen. Es dürfte niemandem verborgen geblieben sein, was sich am Mittwoch zutrug. Doch es ist bereits der zweite Fall von Schülergewalt innerhalb kurzer Zeit an der Schönfelder Schule, und die Turbulenzen nach dem Ausraster eines Drittklässlers Mitte November vorigen Jahres haben Spuren hinterlassen im Kollegium. Die Berichterstattung über den Fall, offensichtlich eine Verzweiflungstat nach aufgestautem Frust, hatte ein heftiges Echo im Internet ausgelöst, sogar der Bildungsminister soll sich eingeschaltet haben.

Jetzt schweigt die Schule. Als würde das helfen. Dabei trifft die Lehrerinnen gar kein Vorwurf. Über ihre Arbeit hört man nur Positives, „viel zu gut für diese Welt“ seien sie, sagt der Vater eines Schulkindes. Es scheint, als sei ein Stück heile Welt aus den Fugen geraten in der kleinen Dorfschule, die bislang eher wie ein Realität gewordenes Idyll wirkte.

Doch nach dem erneuten Gewaltausbruch bleiben Fragen, und Schweigen ersetzt keine Antworten. Was ist los an unseren Grundschulen? Der Junge ist acht, lernt in der ersten Klasse. Es ist nicht normal, in dem Alter mit einer Schere auf die Autos seiner Lehrer loszugehen. Das Kind braucht Hilfe.

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