Wohnen:

Privatisierung? Mieter sehen Riesenskandal

Darf die Hansestadt einfach bezahlbare Wohnungen privatisieren, um sich vor nötigen Investitionen zu drücken und stattdessen noch Geld für klamme Kassen einzunehmen? Es sind schwere Vorwürfe, die Mieter eines städtischen Mehrfamilienhauses erheben.

Im Kahldenwallweg 13 hängt der Haussegen schief. Mächtig schief. Seit die Demminer Wohnungsbaugesellschaft WVG, Eigentümerin des sanierungsbedürftigen Mehrfamilienhauses, mit einem Kaufinteressenten auf dem Grundstück auftauchte, sind die Mieter in heller Aufregung: Sie fürchten im Fall einer Privatisierung den Anstieg der bisher verträglichen Mieten. „Vier von fünf Mietpartien im Haus sind Hartz-IV-Empfänger, einer davon schwerbehindert“, sagt Ralf Scheunemann und betont, im Namen seiner Mitbewohner zu sprechen. „Für uns ist bezahlbarer Wohnraum eine existenzielle Frage.“ Aber womöglich gehe es darum, sich von alten kostenaufwändigen Häusern zu trennen und die davon betroffenen Menschen vor vollendete Tatsachen zu stellen, vermutet Scheunemann. Als er die Vertreterin der Wobau während des Besichtigungstermins fragte, ob eine städtische Gesellschaft das überhaupt dürfe, so einfach verkaufen, erhielt er zur Antwort: „Wir können mit unseren Häusern machen was wir wollen.“

Wobau-Chef Roman Gau drückt sich auf DZ-Nachfrage etwas weniger robust aus, doch im Prinzip stellt er sich hinter die Position, mit dem Wohnbestand der Kommune eigenverantwortlich und nach den Regeln der Wirtschaftlichkeit umzugehen. „Natürlich geht so etwas vorher durch den Aufsichtsrat.“ Für den Fall Kahldenwallweg 13 bestätigt er: „Ja, es gibt einen privaten Interessenten. Es ist jemand aus Demmin, der bereits mehrere Immobilien in der Stadt und auch etwas im Kahldenwallweg gekauft hat und sich auch für besagtes Objekt interessiert.“ Doch es handele sich dort keinesfalls um sozialen Wohnraum, sagt Gau.

In Sachen Verkauf habe man nun abzuwägen. „Natürlich ist das vor allem eine Frage der Rentabilität. Sanierungsaufwand, Einkünfte aus Mieten, da wird aufgerechnet. Dann wird der Aufsichtsrat in dieser Frage entscheiden. Auch wir als kommunale Gesellschaft müssen rechnen, wie jedes andere Unternehmen auch.“ Beschlossen sei aber noch nichts. Das sei Sache des Aufsichtsrates.

Die Mieter beruhigt das kaum. Scheunemann sieht ein kommunales Unternehmen und ebenso die Stadt selbst in sozialer Verantwortung: „Wenn man im Rathaus wirklich diese Linie fährt, unrentable Objekte erst auf Verschleiß fahren, dann abstoßen und nur die teuren, lukrativen behalten, sollte man den Menschen reinen Wein einschenken. Für mich ist das ein Riesenskandal.“ Er fordert zur Wohnungspolitik der Kommune eine öffentliche Einwohnerversammlung. „Es sitzen gewählte Volksvertreter im Aufsichtsrat der Wobau und diese haben sich auch für die Interessen ihrer Wähler einzusetzen.“

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