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Raus und rein - Inventur im Badekanal

Zwei Stunden lang haben Angler in Demmin Netze eingeholt. Doch ihr Fang durfte gleich wieder zurück ins Wasser. Eine anstrengende Sache – für die Tiere und die Menschen. Was soll das Ganze also?

Was ist denn da los? Nicht einen Fisch ihres reichen Fanges haben die Angler aus dem Demminer Badekanal am Freitag mit nach Hause genommen.
Johanna Meyer-Gohde Was ist denn da los? Nicht einen Fisch ihres reichen Fanges haben die Angler aus dem Demminer Badekanal am Freitag mit nach Hause genommen.

„Achtung, da kommt ein ganz großer“, meint Marko Röse und hat Mühe, einen wild zappelnden, mehrere Kilo schweren und etwa 50 Zentimeter großen Karpfen ins Boot zu hieven und aus seinem Netz zu befreien. Mehrere Barsche und Hechte und jede Menge Bleie und Karauschen löst der Fischereiwirt und Landesgewässerwart einen nach dem anderen sorgfältig aus seinen Netzen. Dann schmeißt er sie zurück in den Demminer Badekanal. Jeder einzelne Fisch wird von Knut Schramm vom Regionalverband auf einer Liste vermerkt.

Im Badekanal, einem ausgedienten, etwa sechs Hektar großen Torfstich, der sich direkt hinter dem Demminer Naturerlebnisbad befindet, wurde durch den Landesanglerverband, der das Gewässer von der Stadt pachtet, eine sogenannte Bestandsaufnahme durchgeführt – eine Volkszählung im Fischteich. Untersucht wird dabei das Verhältnis zwischen Raub- und Friedfischen, also zwischen Futter und Räubern. Auch wird festgestellt, ob genug Jungfische vorhanden sind und die einzelnen Arten in der Lage sind, sich ausreichend fortzupflanzen. Arten wie Karpfen und Aale müssen regelmäßig als Jungtiere eingesetzt werden.

Mehr Arten als in manch anderem Gewässer

Eine Bestandsaufnahme wird alle paar Jahre in den Gewässern durchgeführt. Denn genau wissen die Angler nicht, was im See wirklich vor sich geht und in welchem Verhältnis sich die einzelnen Arten mit der Zeit entwickeln. Eine ausgeglichene Population ist aber wichtig. „Die Arten müssen zusammenpassen“, erklärt Knut Schramm.

In Auftrag gegeben hat die Untersuchung der Anglerverein Demmin West. Er ist verantwortlich für den Erhalt und die Pflege des Badekanals. Dessen Mitglieder warten gespannt am Ufer auf die Ergebnisse. Das Auslegen der etwa 16 Stellnetze mit unterschiedlichen Maschenweiten hat bereits morgens gegen neun Uhr begonnen. Das Einholen der Netze hat dann ganze zwei Stunden gedauert.

„Da ist alles drin, was drin sein muss“, sagt Marko Röse am Ende, als das Boot wieder am Ufer angelegt hat. Unter anderem sechs große Hechte, sechs Karpfen, ein Wels und über 100 Bleie, außerdem Barsche, Rotfedern, Schleie, Aale und Plötze stehen auf der Liste. Elf unterschiedliche Arten kommen da zusammen. Damit hat der Demminer Badekanal sogar eine besonders große Vielfalt an Fischarten. Der Durchschnitt beträgt in mecklenburgisch-vorpommerschen Gewässern sechs bis sieben Arten. Auch die Altersstruktur der Fische entspricht den Richtlinien.