Sommerhitze:

Reicht das Demminer Trinkwasser?

Kein Problem, sagt Wasserwerk-Chef Klaus Ehlert. Ginge es nach ihm, könnten die Leute ruhig noch öfter duschen und baden.

Demmins Wasserwerks-Chef Klaus Ehlert: "Die Mangelzeiten haben wir hinter uns. Die Brunnen fördern genug, auch im Sommer."
Thoralf Plath Demmins Wasserwerks-Chef Klaus Ehlert: "Die Mangelzeiten haben wir hinter uns. Die Brunnen fördern genug, auch im Sommer."

Klaus Ehlert hütet einen Schatz. Nicht Gold und auch keine Diamanten, doch was der 60-Jährige auf dem Stadtrand-Grundstück zwischen alten Kiefern und gründerzeitlichen Backsteinbauten verwaltet, könnte man durchaus mit Edelmetall aufwiegen. Ehlert ist Chef des Demminer Wasserwerks. Sein Job: Trinkwasser. Das Lebensmittel aller Lebensmittel. „Anderswo auf der Welt werden Kriege darum geführt“, sagt er. „Wir machen uns gar keine Gedanken drum, so selbstverständlich ist es für uns, den Hahn aufzudrehen, und es fließt schönes klares sauberes Wasser.“

Ganz so selbstverständlich war das auch hierzulande nicht immer. Ehlert kann sich noch gut an die Sommermonate zu DDR-Zeiten erinnern, als das Trinkwasser in Hitzewellen knapp und knapper wurde – auch weil die Leute damit ihre Gärten gossen und die Rasen sprengten. „Wir sind dann rumgelaufen abends durch die Kleingartenanlagen und haben die Gartenbesitzer gemahnt, manchmal sogar mit Strafe gedroht. Das musste reguliert werden, damit noch Wasser in den Wohnungen ankommt.“

Heute hätten Demmins Wassermacher vermutlich - rein geschäftlich gesehen - nichts dagegen, wenn die Leute ihren Garten im Sommer mit Leitungswasser abduschten. Denn der Wasserverbrauch ist seit der Wende permanent rückläufig. „Zu DDR-Zeiten lagen wir bei 180 bis 200 Litern pro Kopf und Tag, im Sommer noch kräftig drüber“, sagt Ehlert. „Klar, hat ja praktisch fast nichts gekostet damals.“ Heute verbraucht jeder Demminer pro Tag etwa 80 Liter Trinkwasser – ein ganzes Drittel weniger als im Bundesdurchschnitt, der derzeit bei 121 Liter liegt. Selbst den Pro-Kopf-Verbrauch in Mecklenburg-Vorpommern (106 Liter) und die ostdeutschen Sparmeister in Sachsen-Anhalt (84 Liter) unterbieten die Hansestädter noch.

Der betriebstechnischen Kalkulation tut das Wassersparen keinen Gefallen, das räumt Klaus Ehlert ein. „Für uns wird die Technik ja nicht billiger.“ Trotzdem halte man den Wasserpreis in Demmin seit Jahren auf stabilem und vergleichsweise niedrigem Niveau: 1,36 Euro pro Kubikmeter, das sei auch ein Ergebnis soliden Wirtschaftens im Zweckverband.

Dass Wasser im Sommer knapp wird, muss selbst in langen Hitzephasen heute in Demmin niemand mehr fürchten. „Die Mangelzeiten haben wir hinter uns. Die Brunnen fördern genug“, sagt Klaus Ehlert. Für den Reservefall sind im Reinwasserbehälter neben der Filterhalle 2800 Kubikmeter gespeichert – das entspricht ziemlich genau einem Tagesverbrauch der Hansestadt. Eigentlich könnten Ehlerts Leute weit mehr versorgen als jene rund 20 000 Menschen, die sie täglich mit Frischwasser beliefern in Demmin und Umland. Filter, Pumpen und Rohrsystem sind so ausgelegt. „Wir haben seit der Wende in die Wasserversorgung Millionen investiert. Hinter der Fassade steckt modernste Technik, das sieht man unseren historischen Gebäuden nicht an."

Ein Problem für die Wasserwerker bleibt vor allem die Sparsamkeit der Verbraucher. Nicht nur, weil sie weniger verkaufen: Sorgen macht auch die zu trockene Kanalisation. Dadurch setzen sich Feststoffe ab, und gerade im Sommer riecht es aus manchem Gully auch mal ziemlich faulig. Manchmal helfen dann die kräftigen Regengüsse, ansonsten muss in Extremfällen schon mal nachgespült werden.

Hintergrund

Im vorigen Jahr haben die deutschen Wasserversorger nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 3,58 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser an haushalte und Kleingewerbe abgegeben, das entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 121 Liter pro Tag. Am sparsamsten gehen die Ostdeutschen mit Wasser um, hier wiederum die Sachsen (84,2) und Thüringer (88,6). Den höchsten Bedarf haben die Hamburger: 134,5 Liter am Tag. Im weltweiten Vergleich ist das freilich gar nichts. Die Russen etwa gehen ziemlich verschwenderisch mit dem kostbaren Nass um: 270 Liter braucht Towarischtsch am Tag! Der durchschnittliche Ami bringt es gar auf 295 Liter Trinkwasser. Dagegen nehmen sich Schweden (197), Italiener (213) und die Eidgenossen in der Schweiz (237) fast bescheiden aus. Alle Rekorde bricht allerdings Dubai - mit sage und schreibe 500 Litern Trinkwasser pro Mann und Tag. Na ja, es ist halt heiß dort. In Neu Dehli freilich auch. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 25 Litern Trinkwasser sind die Inder die Weltmeister im Wasser-Nichtverbrauch. tp

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