Es gilt, 948 Meter zu überwinden:

Rohr bohrt sich durchs Moor

Der Energieversorger Edis baut bei Demmin eine neue Erdgastrasse. Nur mit einem aufwendigen und technisch anspruchsvollen Verfahren kommen die Bauleute durchs Trebeltal. Denn sie müssen hohe Naturschutzauflagen erfüllen.

Mit einem Horizonatlbohrer werden die Stahlrohre 15 Meter tief unter die Trebel durchs Moor geschoben, über 900 Meter weit. Ingo Janssen beobachtet den Bohrer. Die Arbeiten zum Bau einer Hochdruckgasleitung gehen damit in die entscheidende Phase. Foto: Kirsten Gehrke
Mit einem Horizonatlbohrer werden die Stahlrohre 15 Meter tief unter die Trebel durchs Moor geschoben, über 900 Meter weit. Ingo Janssen beobachtet den Bohrer. Die Arbeiten zum Bau einer Hochdruckgasleitung gehen damit in die entscheidende Phase. Foto: Kirsten Gehrke

 Hein Kolczynski hat den besten Blick. Genau neben seinem Zuhause im Trebeltal bohrt sich gerade ein Stahlrohr unter den Fluss durchs Moor. Gut kann er die Bauarbeiten für eine Hochdruckgasleitung bei Demmin beobachten. „Die Technik ist wirklich beeindruckend“, meint der 77-Jährige. Mulmig sei ihm nicht, dass künftig wenige Meter von ihm entfernt, Erdgas unter der Erde vorbeifließt. Seit Montag laufen die Bohrungen zwischen Demmin und Wotenick. Am Mittwochmittag sind 297 Meter durchs Moor geschafft. 450 Kilo ist so ein 9,80 Meter langes Stahlrohr schwer. Eins nach dem Anderen wird aneinandergeschraubt und Meter für Meter in die Tiefe geschoben.

Bis ans andere Ufer sind 948 Meter zu überwinden. Auf der Seite im Demminer Eichholz liegen die Leitungen schon bereit, die dann zurück durch das Rohr gezogen werden. Driller Holger Hillers kann in der Schaltzentrale am Bildschirm genau verfolgen, wie das Rohr durch die Erde gestoßen wird. Ein ähnliches Verfahren war bereits mehrere hundert Meter weiter beim Bau eines Mikrotunnels für eine Gas-Pipeline verwendet worden. Weil es sich im Trebeltal um ein Moorgebiet handelt, dürfen aus Naturschutzgründen keine Gräben ausgehoben werden, erklärt Edis-Netzbetriebsmeister Andreas Thurm. Deshalb die aufwendige Bohrung rund 15 Meter tief. „Die Bodenverhältnisse sind sehr schwierig“, sagt Bohrmeister und Polier Jens Alting. Auf Schiefermergel und viele Steine seien sie schon gestoßen. Das bedeutet, der „Bohrer“ muss öfter gewechselt werden. Bis Sonntag aber wollen sie das Rohr durchs Moor gebohrt haben.

Im Moment befinden sich die Arbeiten in der entscheidenden Phase. Insgesamt werden 4300 Meter Leitungen verlegt, die die bestehende Hochdruckleitungen Dargun-Demmin und Wotenick-Demmin miteinander verknüpfen, erklärt Edis-Pressesprecher Michael Elsholtz. Notwendig war der Bau geworden, weil immer mehr Betriebe auf Erdgas umstellen wollen, wie die Brauerei in Dargun.

Die neue Hochdruckleitung soll die Kapazität stabilisieren. Der Energieversorger investiert in diesen Bau über 842 000 Euro. Damit wolle man die notwendigen technischen Voraussetzungen schaffen, um eine langfristige und stabile Versorgung mit umweltschonendem Erdgas zu gewährleisten. Mit der Firma Bohlen & Doyen sei ein Unternehmen mit der Ausführung der Trebeltalbohrung beauftragt worden, das im Netzgebiet der Edis mit zehn Niederlassungen flächendeckend präsent sei, so Elsholtz. In der nächsten Woche wird auch unter der Peene am Hanseufer in Demmin gebohrt. Hier gehe es aber um eine Niederdruckgasleitung, die ausgetauscht werden soll. Dies erfolge im Zuge des geplanten Baus eine Buswendeplatzes.

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