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Schüler allein reichen nicht aus für Busverkehr

VonGeorg WagnerDie Kreisverwaltung will den Öffentlichen Personennahverkehr auf längere Sicht unabhängiger vom Schülerverkehr machen. Noch aber liegt das ...

Dirk Rautmann: „Wieder Fahrgäste in den Bus bekommen.“  FOTO: Archiv/Wagner

VonGeorg Wagner

Die Kreisverwaltung will den Öffentlichen Personennahverkehr auf längere Sicht unabhängiger vom Schülerverkehr machen. Noch aber liegt das Konzept nicht vor.

Demmin/Neustrelitz/Waren.Wer am kommenden Freitag mit dem Bus fahren will, dem wird es voraussichtlich an einem nicht mangeln: Platz. Denn der Freitag nach Himmelfahrt ist ein beweglicher Ferientag. Damit gilt bei den Verkehrsbetrieben der übliche Ferienfahrplan mit reduzierten Fahrten und zugleich wird das Fahrgastaufkommen sinken. Denn die Masse der Passagiere in den Bussen machen gewöhnlich Schüler aus.
Rund 90 Prozent sind es laut Kreisverwaltung bei der Demminer Verkehrsgesellschaft (DVG), mehr als 80 Prozent bei den übrigen im Kreis. Das sei so im Land flächendeckend der Fall, weiß der Leiter des Schulverwaltungsamtes beim Landkreis, Dirk Rautmann, bei dem die Verantwortung für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angesiedelt ist. Allein in der Mecklenburgischen Seenplatte fahren derzeit täglich rund 11200 Mädchen und Jungen mit dem Bus zur Schule und zurück. Ohne sie würde sich im ÖPNV nicht viel bewegen.
Das gibt den Verkehrsplanern zu denken. Denn die Schülerzahlen werden laut Rautmann weiter sinken. Bis zum Jahr 2020, sagt er, werde sich die Zahl der Grundschüler auf etwa die Hälfte reduzieren. Damit aber ist bereits jetzt ein drastischer Rückgang bei den zukünftigen Beförderungszahlen absehbar, was wiederum die Versorgung der Bevölkerung mit Nahverkehr einschränken könnte. Der will schließlich finanziert sein. „Nur auf den Schülerverkehr zu setzen, ist keine Lösung“, steht deshalb für Dirk Rautmann fest. „Wir brauchen konzeptionelle Lösungen, um wieder Fahrgäste in den Bus zu bekommen.“
Um der Entwicklung Rechnung zu tragen, arbeitet die Kreisverwaltung derzeit an einem Verkehrskonzept. Bis Oktober will Rautmann es den zuständigen Gremien vorlegen. Ein ehrgeiziges Ziel, wie er meint. Und ein komplexes Thema noch dazu. Neben den Schülerzahlen geht es um zukünftige Linienkonzessionen – die bestehenden laufen bis spätestens Anfang 2017 aus –, um die unterschiedlichen Angebote im Kreis, den schienengebundenen Personennahverkehr und schlichtweg auch um Geld. Ohne Zuschuss des Steuerzahlers kann bisher keiner der Verkehrsbetriebe im Landkreis den ÖPNV absichern.
Rund 3,6 Millionen Euro plant der Landkreis dafür in diesem Jahr ein, gut zwei Drittel davon erhält er vom Land. Etwas über eine Million muss er aber auch aus der eigenen Kasse beisteuern. Das sind fast 400000 Euro mehr als im vergangenen Jahr. Ein Grund dafür: Die nach Fahrplankilometern und Einwohnerzahlen berechneten Landeszuweisungen werden laut Rautmann voraussichtlich sinken, die Kosten bleiben. Die Differenz muss der Kreis tragen.
Solche Fragen, ist sich Torsten Grahn sicher, werden auch bei dem Verkehrskonzept eine Rolle spielen. Der Geschäftsführer der DVG und des Verkehrsbetriebes Mecklenburg-Strelitz wartet bereits darauf. „Wir müssen die Fahrpläne im gesamten Bedienungsgebiet prüfen und schauen, wo man noch effizienter werden kann“, sagt er. Das Konzept selbst aber beinhalte wesentlich mehr.

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