Umgang mit Mitarbeitern:

Schweres Los: Wer zu dick ist, fällt durch

Sie machen jahrelang einen guten Job - doch Beamte dürfen sie nicht werden, weil sie Übergewicht haben. Der Staat macht derzeit bei Lehrern kurzen Prozess. Doch das Interesse am Beamten-Status scheint ohnehin nachzulassen.

Bei Übergewicht bestehen gesundheitliche Risiken. Ist der Antragsteller nicht voll gesund, dann kann er nicht verbeamtet werden.
Hans Wiedl Bei Übergewicht bestehen gesundheitliche Risiken. Ist der Antragsteller nicht voll gesund, dann kann er nicht verbeamtet werden.

Anne-Kathrin R. kommt eigentlich gar nicht in Frage. Sie ist zu alt. „Trotzdem ärgert mich das, es ist schade um die jungen Kollegen“, sagt die Lehrerin. Ungerecht findet sie es auch. Viele Pädagogen gibt es nicht an ihrer Schule, die unter 40 sind und theoretisch in Frage kommen, in diesem Jahr verbeamtet zu werden. Ob überhaupt einer schon einen Antrag gestellt hat, weiß sie gar nicht. „Aber zwei werden von vornherein keine Chance haben.“ Sie haben nicht den passenden BMI, den richtigen Body-Maß-Index. Sprich: Sie sind zu dick.

Wer Übergewicht hat, kann nicht Beamter sein. Anne-Kathrin R. will das nicht einsehen. Ihre beiden Kollegen seien besonders engagiert und ehrgeizig, die Schüler würden sie mögen, man merke, dass sie Spaß an ihrem Beruf haben. „Ich kann mich nicht erinnern, wann die beiden mal krank waren“, sagt die Mittfünzigerin. „Dicke sind manchmal gesünder als Dünne, manch Schlanker wird doch schon beim ersten Lüftchen umgepustet.“ In ihrem Kollegenkreis gebe es nämlich Hagere, die es oft umhaut und im Bett liegen, dann ausfallen. „Die können also Beamter werden.“ Anne-Kathrin R. schüttelt mit dem Kopf.

Die Lehrerin kann sich noch so darüber ärgern, ändern wird sie es vermutlich nicht. Es gebe nun mal bestimmte Richtlinien für eine Verbeamtung, stellt Henning Lipski, Pressesprecher im Bildungsministerium, auf Nordkurier-Nachfrage klar. „Und dazu gehört eine amtsärztliche Untersuchung.“ Wenn da festgestellt werde, dass der Antragsteller nicht voll gesund ist, dann könne er nicht verbeamtet werden. Bei Übergewicht bestünden etliche Risiken. Da sei es völlig gleich, ob Lehrer, Vollzugsangestellte oder Mitarbeiter der Ministerien den Beamtenstatus wollen. „Ich bin kein Arzt“, meint Lipski. Der stelle fest, wer geeignet ist und wer nicht. Eine Diskriminierung der „Dicken“ sehe er nicht.

Bis Mitte Dezember haben indes gerade mal ein Fünftel der unter 40 Jahre alten Lehrer einen Antrag in Mecklenburg-Vorpommern gestellt. 103 Schreiben lagen bis Dezember vor. 560 Lehrer kämen vom Alter her in Frage. Im Schulamtsbereich Neubrandenburg hätten erst 18 einen Antrag gestellt. Für die Region Demmin gebe es keine detaillierte Aufschlüsselung. Lipski gibt zu, dass es nicht viele Anträge sind. „Probieren kann man es ja“, rät er. Die ersten Lehrer können zum neuen Schuljahr am 1. August dann Beamte werden.

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