:

Segen und Fluch am Fuß der Windparks

VonGeorg WagnerGemeinden in der Region sehen sie als finanziellen Hoffnungsschimmer, für viele Bürger sind sie dagegen ein Ärgernis. So etwa in ...

Rauschende Nachbarn: Windkraftanlagen wie hier bei Siedenbrünzow.  FOTO: Georg Wagner

VonGeorg Wagner

Gemeinden in der Region sehen sie als finanziellen Hoffnungsschimmer, für viele Bürger sind sie dagegen ein Ärgernis. So etwa in Pentz.

Demmin.Für die Gemeinde Siedenbrünzow ist der Wind ein Segen. Je anhaltender er weht, desto stärker mahlen die Strommühlen auf ihrem Gebiet und je stärker sie mahlen, desto kräftiger sprudelt das Geld in die Kasse der Kommune. Denn der Siedenbrünzower Windpark ist alt, die Kredite sind entsprechend weit abbezahlt. So greift der Fiskus zu. Seit einigen Jahren, sagt Bürgermeister Wolfgang Kuhrt, bekomme die Gemeinde nun Gewerbesteuer.
Darauf hatte sie schon gesetzt, als in den Jahren 1997 und 1998 die Windkraftanlagen aufgestellt wurden. „Es war unser Bestreben, dass der Betreiber seinen Sitz bei uns hatte“, denkt der Bürgermeister zurück. Denn so konnte die Gemeinde sicher sein, in den Genuss der Gewerbesteuern zu kommen, sobald sie fließen würden. Mittlerweile machen sie laut Kuhrt einen erheblichen Anteil an den Einnahmen aus. Eine konkrete Zahl will er nicht nennen, mit Rücksicht auf das Steuergeheimnis und weil die Summe je nach den Bedingungen von Jahr zu Jahr schwanke. „Ohne sie“, gibt er aber unumwunden zu, „wären wir bestimmt schonbadengegangen.“
Auf solche Geldquellen hoffen auch andere Kommunen in der Region. In der finanziell arg gebeutelten Gemeinde Beggerow beispielsweise blickt Bürgermeister Wolf-Peter Peetz zuversichtlich auf den Windpark, der dort entsteht. In einigen Jahren, schätzt er, könnten die Mühlen die Gemeinde aus den gröbsten Schwierigkeiten holen. Zudem kann schon der Bau Vorteile bringen wie in der Nachbargemeinde Sarow, wo bei Ganschendorf ein Windpark steht. Im Rahmen der vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen erhielt sie laut stellvertretendem Bürgermeister Thies Holtmeier mehrere Kilometer Alleebäume, Gewässerrenaturierungen sollen noch dazu folgen. „Einiges, was man sonst nicht machen könnte.“ Eine positive Sicht, mit der er nicht alleine dasteht. Der Amtsvorsteher von Demmin-Land, Edgar Kliewe, etwa sieht in der Windkraft nicht nur saubere Energie, sondern vor allem auch für die Gemeinden der Region eine wirtschaftliche Chance.
Das beschränkt sich nicht auf die Stromproduktion, sondern kann auch anderen Betrieben Aufschwung geben wie der Firma von Manfred Komesker in Tützpatz. Dessen Unternehmen ist stark in regenerativen Energien engagiert. Von rund 100 Mitarbeitern entfielen mittlerweile 50 auf diesen Bereich, berichtete er bei einer vom Demminer CDU-Regional- und Stadtverband organisierten Podiumsdiskussion zu dem Thema. Deren Tenor: Ziel müsse es sein, regionale Wertschöpfungspotenziale zu generieren und die Einnahmen vor Ort zu halten.
So wie in Siedenbrünzow. Dort konnte die Gemeinde Straßen instand setzen und wird als eines der nächsten Vorhaben die Bürgersteige auf Vordermann bringen. Das trägt nach Eindruck des Bürgermeisters auch zur Zufriedenheit der Bürger bei. „Ich denke, die Akzeptanz ist größer, wenn wir sagen können, die und die Straße hätten wir ohne die Steuern vom Windpark nicht machen können“, ist er froh.
Denn Kuhrt weiß auch, dass vielerorts die Menschen in Windkraftanlagen weniger Segen als viel mehr Fluch sehen. So wie in Pentz. Der Borrentiner Ortsteil liegt nur wenige hundert Meter von einem neuen Windpark entfernt. Die Hightech-Nachbarschaft gefällt nicht jedem. Disko-Effekt, Schattenschlag, Rotorenrauschen: „Wenn man vor die Tür geht“, ärgert sich einer, „glaubt man, da hinten ist die Ostsee und bei starkem Ostwind denkt man, die Wellen sind heute besonders hoch.“

Kontakt zum Autor
g.wagner@nordkurier.de