Ein Angler entdeckte exotisches Tier:

Sensation: Schildkröte in der Tollense!

Ein Naturfreund traute seinen Augen nicht, als er von der Tollensebrücke schaute: Unten sonnte sich eine Schildkröte auf den Steinen! Woher kommt das Tier? Ist es gar eine der superseltenen Sumpfschildkröten?

In aller Seelenruhe sonnt sich Schildi auf den Steinen an der Demminer Tollensebrücke. Woher stammt sie? Ausgesetzt? Eingewandert? Einstweilen bleibt das Auftauchen des exotischen Tieres ein Rätsel.
Thoralf Plath In aller Seelenruhe sonnt sich Schildi auf den Steinen an der Demminer Tollensebrücke. Woher stammt sie? Ausgesetzt? Eingewandert? Einstweilen bleibt das Auftauchen des exotischen Tieres ein Rätsel.

Klaus Spieker kennt sich aus in der Gegend, nicht nur rings um sein Heimatdorf Verchen. Einen leidenschaftlichen Angler wie ihn zieht es ans Wasser, und so stand er am Montagmorgen auf der Tollensebrücke bei Haus Demmin. Doch als der 63-Jährige zum Wasser runter schaute, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen. "Da saß tatsächlich eine Schildkröte! In aller Seelenruhe sonnte sie sich auf den Steinen, der Panzer mattgrau, vielleicht 20 Zentimeter im Durchmesser", schildert er seine Beobachtung. Er sei kein Experte, aber das könnte doch eine Sumpfschildkröte gewesen sein. "Und die sind ja ziemlich selten."

Ziemlich selten ist gut. Seltener geht es kaum. Die Europäische Sumpfschildkröte ist in Deutschland akut vom Aussterben bedroht, Biologen schätzen ihren Bestand auf weniger als hundert Tiere. Es wäre eine Sensation, wenn der Verchener an der Tollense ein Exemplar gesehen hätte.

Es handelt sich wahrscheinlich um ein ausgesetztes Tier

Haben wir nun die Sensation? Eine der seltensten Tiere Deutschlands und Europas, wieder heimisch in der Tollense und Peene, die wenige Meter von Brücke entfernt vorbeiströmt? Der letzte Nachweis einer Sumpfschildkröte in der Region liegt Jahrzehnte zurück. In den 1960er Jahren beobachtete der Loitzer Biologielehrer Georg Bohl an der Peene bei Loitz noch regelmäßig Sumpfschildkröten.

Nur: Es ist wohl doch etwas anders. Mike Hartmann, Mitarbeiter des Kreisumweltamtes und mit der Schildi-Historie des Demminer Peenelandes bestens vertraut, nimmt uns - leider leider - alle Hoffnung. "Also eine echte europäische Sumpfschildkröte ist es mit größter Sicherheit nicht", sagt er. "Deren reproduktionsfähige Population sind in unserer Region seit der Mittelsteinzeit ausgestorben". Es handele sich höchstwahrscheinlich um ein ausgesetztes Tier.

 

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