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So großen Widerstand gegen Nazi-Demo gab es bisher nicht

Die komplette Innenstadt abgeriegelt, 800 Polizisten im Kampfmontur zwischen Sitzblockaden und Straßensperren und das alles im Zeichen der Versammlungsfreiheit: Gegen den Nazi-Umzug am 8. Mai in Demmin gingen so viele Menschen wie noch nie auf die Straße.

Mehrere Sitzblockaden hielten den Zug der Neonazis für Stunden auf. Noch nie war der Widerstand in Demmin so groß.
Kai Horstmann Mehrere Sitzblockaden hielten den Zug der Neonazis für Stunden auf. Noch nie war der Widerstand in Demmin so groß.

Die Clara-Zetkin-Straße glich einer Festung. Es war kurz nach 22 Uhr, und am Luisentor ging nun gar nichts mehr. Seit fast zwei Stunden kam der Aufzug der etwa 200 Neonazis zwischen den Häuserzeilen der Demminer Haupteinkaufsstraße nur stockend voran, gesichert von Polizei in schwerer Kampfmontur, den braunen Fackeltross von den Gegendemonstranten abschottend. Hunderte waren trotz der vielen Sperren und einer rabiat abgeriegelten Demonstrationsroute auf der Straße: Aktivisten vom Aktionsbündnis, auffallend viele junge Leute, Demminer Bürger, Schaulustige, Kinder sogar. Aber auch angereiste Antifa, zum Teil vermummt, gewaltbereit, der berüchtigte schwarze Block. Die Stimmung: aufgeladen. 800 Polizisten, überall Blaulicht. Nazis. Doch diesmal soviel Widerstand wie noch nie an einem 8. Mai in Demmin.

Immer wieder werden die Rechten gestoppt

Von Beginn an und immer aufs Neue stoppten Sitzblockaden den Marsch der Rechtsextremisten vom Stadion zum Hafen. Insgesamt listete die Polizei am Ende fast 20 solcher „Spontanversammlungen“ auf. Jede Blockade hieß: Stillstand. Am Geselliusplatz versuchten gegen 21 Uhr rund 150 zum Teil vermummte Gegendemonstranten, die Absperrung zu durchbrechen. Die Polizei wehrte den Angriff mit Hilfe von Reizgas und Schlagstöcken ab. Auch an der Ecke Synagogenstraße wurde eine Polizeikette angegriffen. Doch die meisten Proteste blieben friedlich.

Auf Höhe der Sparkasse blieb der Fackelzug dann stecken.  An der Christinenstraße hatte sich bereits die nächste Sitzblockade formiert, am Markt bahnte sich Ähnliches an. Die Polizei ließ den Demonstrationszug eine halbe Stunde am Luisentor halten. Als auf Twitter schon erste Meldungen kursierten, der Umzug werde vorzeitig abgebrochen, ging es plötzlich doch weiter – buchstäblich auf Schleichwegen durch die Baustraße, alle Wege von der Hauptroute aus waren nun abgeriegelt. Zu Blockaden konnte es so nicht mehr kommen, nur einmal noch versuchten Gegendemonstranten durchzubrechen – am Weißen Krankenhaus. Doch die Polizei hatte das vorausgesehen.

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