Konkurrenz um Flächen:

Solarstrom lässt Bauern kalt erschauern

Noch ist landwirtschaftliche Nutzfläche im Demminer Land frei von Fotovoltaik-Anlagen. Doch falls ein Entwurf zur Förderung von Freiflächenanlagen Rechtskraft erhält, könnte sich das ändern – und die Bauern ihr Land kosten.

Pläne zur verstärkten Förderung von Sonnenkraftwerken auf landwirtschaftlichen Nutzflächen treibt die Bauern im Demminer Land auf die Barrikaden.
Georg Wagner Pläne zur verstärkten Förderung von Sonnenkraftwerken auf landwirtschaftlichen Nutzflächen treibt die Bauern im Demminer Land auf die Barrikaden.

Wenn der Vorsitzende des Bauernverbandes Demmin, Karsten Trunk, an Solarparks vorbei fuhr, dann verschwendete er bislang wenige Gedanken darauf. Neuerdings aber gerät er dabei mächtig ins Grübeln. Der Grund dafür zirkuliert derzeit noch in den Büros des Bundeswirtschaftsministeriums. Dort ist ein Referentenentwurf mit einer sperrigen Bezeichnung im Umlauf. „Freiflächenausschreibungsverordnung“ nennt sich das Papier, das Karsten Trunk die Unbefangenheit bei der Sicht auf Fotovoltaikanlagen rauben könnte.

Ein Punkt darin ärgert auf ihre Äcker angewiesene Bauern wie den Görminer Karsten Trunk besonders. Nach dem, was bisher nach draußen gedrungen ist, könnten in Zukunft Förderbeschränkungen für Fotovoltaik-Freiflächenanlagen entfallen. Jährlich bis zu 800 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche könnten dann laut Deutschem Bauernverband mit Solarzellen überzogen werden – und würden damit aus der landwirtschaftlichen Produktion herausfallen.

Das Problem heißt staatliche Förderung

„Das ist für uns ein heißes Thema“, sagt Trunk. Er sieht für einen derartigen Blankoscheck für Investoren keinen Bedarf. „Wir haben in Deutschland genug Industriebrachen oder auch ehemalige Mülldeponien, die man mit Fotovoltaik vollstellen kann. Der Flächenfraß durch die Infrastruktur ist schon groß genug. Da muss man nicht auf wertvollem Ackerland Dinge schaffen, die dort nichts zu suchen haben.“

Auf Konversionsflächen wie beispielsweise dem ehemaligen Flugplatz in Tutow oder dem früheren Rübenlagerplatz in Demmin könne das alles sein. Auch gegen Solaranlagen auf Eigenheimen hat Karsten Trunk nichts einzuwenden, aber: „Alles andere ist irrwitzig.“ Das Problem sei die staatliche Subventionierung der Fotovoltaik, erläutert Trunk seine Sorge. Mit deren Hilfe könnte ein Investor höhere Pachten zahlen als Bauern und so landwirtschaftliche Flächen an sich bringen. „Die staatliche Förderung wird durchgereicht an die Eigentümer.“

Allerdings ist Karsten Trunk bislang noch hoffnungsvoll, dass dieser Fall gar nicht erst eintreten wird. „Ich kann mir nicht vorstellen“, setzt er sein Zutrauen in die Politik, „dass die Regelung für Ackerflächen eine Mehrheit findet.“

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