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Sorge um Wundermittel schafft Fronten in der Region

Immer wieder zeigen Antibiotika keine Wirkung mehr gegen Krankheiten. Einen Grund für die Resistenzen vermuten Kritiker im Einsatz der Mittel bei Massentierhaltung. Und damit direkte Gefahren für den Menschen.

Rolf Pietschke   Fotos: Wagner
Georg Wagner Rolf Pietschke   Fotos: Wagner

Im Lauf seines beruflichen Lebens hat der pensionierte Chefarzt Dr. Egbert Tschötschel Vieles erlebt. Mit am meisten erschreckt aber hat ihn eine Entwicklung, die weitgehend im Verborgenen stattfand. Jahrzehntelang stellt er fest, dass übliche Antibiotika bei Patienten immer weniger anschlugen. Gefährliche Krankheitskeime tricksen die „Wundermittel“ aus, sie entwickeln im Zuge ihrer eigenen Evolution Resistenzen dagegen. Einen Grund dafür vermutet Tschötschel im massenhaften Einsatz und teils unsachgemäßen Gebrauch der Medikamente. Vor allem auch in der Tiermedizin.

Mit seiner Haltung steht der Arzt indes bei weitem nicht alleine da. Auch in der Region gibt es eine breite Front von Kritikern des Medikamenteneinsatzes in der Landwirtschaft. Ob es um die alle bisherigen Dimensionen sprengende Schweineproduktion in  Siedenbüssow geht oder um Projekte wie die mittlerweile gekippte Hähnchenmast Klein Luckow im ehemaligen Müritzkreis, nahezu immer findet sich auch die Antibiotikafrage unter den Argumenten dagegen. Auch die politische Agenda des Kreistags hat es mittlerweile erreicht. Dort schmiedete die Fraktion der Grünen schon vor geraumer Zeit an einer Vorlage, die sich mit den Folgen für Mensch und Umwelt beschäftigte. Jetzt will sie diese erneut auf die Tagesordnung bringen.

Zumindest rein mengenmäßig können sich die Kritiker heute auf eine harte Grundlage berufen. Denn dem ersten Bericht des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zufolge werden nirgendwo sonst in Mecklenburg-Vorpommern so viele Antibiotika in Tierhaltungen eingesetzt wie im Postleitzahlenbezirk 17 um Neubrandenburg. 28,4 Tonnen waren es demnach hier im Jahr 2011, also 14 Tonnen mehr als im Bereich Schwerin und 21 Tonnen mehr als entlang der Küste (der Nordkurier berichtete).

Dieser hohe Verbrauch in der Region könne ganz einfach einer höheren Zahl an Tierhaltungen geschuldet sein, vermutet der Präsident der Landestierärztekammer und frühere Demminer Veterinäramtsleiter Dr. Rolf Pietschke.

 

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