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Statt Bier von der Quelle gibt es heute Bier im Discounter

VonKirsten GehrkeAn die alte Brauerei in Demmin erinnert nicht mehr viel. Nur der Name eines Einkaufszentrums. Das ist Steffen Krüger zu wenig. Er wollte ...

Steffen Krüger hat im Museum noch alte Flaschen gefunden, die einst in Demmin befüllt wurden. In verschiedenen Schriften recherchierte der junge Mann die Brauerei-Geschichte.  FOTO: Kirsten Gehrke

VonKirsten Gehrke

An die alte Brauerei in Demmin erinnert nicht mehr viel. Nur der Name eines Einkaufszentrums. Das ist Steffen Krüger zu wenig. Er wollte mehr über die Geschichte erfahren.

Demmin.Steffen Krüger kennt sie nur noch als Ruine, die alte Brauerei in Demmin. „Meine Schule stand direkt vor dem Gelände“, sagt er. Tag für Tag habe er sehen können, wie das einst prächtige Gebäude in der Wollweberstraße verfällt. Das machte ihn damals traurig. Inzwischen sind von der Brauerei nur noch Erinnerungen da. Das einstige Denkmal musste 2005 einem Einkaufszentrum weichen. Dies trägt zumindest den Namen „Brauereipark“. Ein kleiner Trost.
Doch der geschichtsinteressierte junge Mann wollte mehr erfahren über die Historie der Brauerei. Er setzte sich hin, wälzte Schriften des Ortschronisten Heinz-Gerhard Quadt und von Wolfgang Fuhrmann sowie aus der Tageszeitung. Er nutzte jede Quelle, die er im Demminer Regionalmuseum fand. „Die Brauerei darf nicht in Vergessenheit geraten“, meint der 26-Jährige. Er wolle daran erinnern, dass die Hansestadt einst Brauerei-Tradition hatte. Seine Recherchen schrieb er auf unter dem Titel „Vom Leben und Sterben einer alten nie vergessenen Stadthistorie“.
Wie Krüger herausfand, wurde die Bockbierbrauerei in der Wollweberstraße 1859 von einem C.F. Brahtz gegründet. Nach fünf Jahren haben ein Kaufmann und Maurermeisterden Betriebgekauft. Anfang des 20. Jahrhundert sei die Privatbrauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden. „Damit verbunden wurden Renovierungen und Instandsetzung sowie der Ausbau bis 1910 zu einer großen Brauerei AG“, so Krüger. Bierverleger in Grimmen, Loitz, Treptow an der Tollense (heute Altentreptow), Stavenhagen, Malchin, Neukalen, Dargun und Gnoien haben die Brauereierzeugnisse an Flaschen und Fässer zum Weitervertrieb übernommen. „Die alte Brauerei Demmin beschäftigte bis zu 45 Arbeiter und Gesellen.“ Bis zu 2000 Flaschen seien in der Stunde abgefüllt worden.
Jubiläen habe die Bockbrauerei einige feiern können, zuletzt das 125-jährige Bestehen 1984. Zu DDR-Zeiten war der Betrieb ein Teil des VEB Getränkekombinats Neubrandenburg. Mehr als nur Bier wurde produziert. Fruchtsaft-Limo und Club-Cola wurden ausgeliefert, genau wie Vipa, Hell- und Dunkelbier, Pils, Spezialbiere und Dia-Pils (für Diabetiker).
Nach der Wende wurde das Kapitel Brauerei ein Trauerspiel. Etwa drei Jahre sei der Betrieb noch gelaufen. Dann wurde es still. „Zwischen 1994 und 2005 verkam die Anlage zur halben Ruine, die Scheiben wurden zerschlagen, Türen rausgerissen“, so Krüger. Dabei sei das Gelände mal einst so schön gewesen. „Es besaß viele angebaute Lagerhallen als einen Komplex, ein eigenes Gartenlokal mit dem Namen ,Sanssouci‘, Fachwerkbau mit Pultdach und kleinem Nebenflügel“, weiß der Demminer. Das Produktionsgebäude sei ein roter Klinkerbau gewesen. Vor dem Haus habe es mal einen zierlichen Brunnen gegeben. „Reste waren bis zum Abriss zu erkennen.“ Rettungsversuche schlugen fehl. Die Stadt fand keine Investoren, die das historische Ensemble erhalten wollten. So wurde der Abriss beschlossen. Proteste halfen nichts. Vor allem der Demminer Architekt Ralf Schönberg engagierte sich für das Gründerzeit-Ensemble, schrieb Protestbriefe an die Stadt. Als das nicht half, hielten Schönberg und zwei Dutzend Mitstreiter Mahnwache, stellten Kerzen vor dem abrissbedrohten Gebäude ab und setzten es mit Flutlicht in Szene.
Doch im Juni 2005 kamen die Abrissbagger. Einen Monat später begann der Bau eines Aldi-Marktes. Heute findet man in dem Einkaufszentrum noch andere Discounter. An die Brauerei erinnert nur noch der Name.

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