Ein Lift mehr, ein Zimmer weniger:

Stufenloser Luxus, doch die Mieter sind sauer

Im Mai soll es nun losgehen: Demmins kommunales Wohnungsunternehmen WVG rüstet seinen ersten Block mit Fahrstühlen aus. Nicht jedem Mieter gefällt die Aussicht auf die neue Barrierefreiheit. Denn viele verlieren dadurch etwas Entscheidendes.

Toll: Diese Treppe ist bald Geschichte. Hier sollen ab Mai die Fahrstühle angebaut werden. Dass dafür allerdings auf jeder Etage eine Wohnung ein Zimmer verliert, finden betroffene Mieter nicht so toll.
Thoralf Plath Toll: Diese Treppe ist bald Geschichte. Hier sollen ab Mai die Fahrstühle angebaut werden. Dass dafür allerdings auf jeder Etage eine Wohnung ein Zimmer verliert, finden betroffene Mieter nicht so toll.

Im Demminer Wohnblock Ernst-Moritz-Arndt-Straße 21/22 haben die Leute zurzeit nur ein Thema: die Treppe. Beliebt ist das Stufensteigen auch hier bei keinem, aber angesichts der Aussicht, nun bald einen Fahrstuhl ans Haus gebaut zu bekommen, nimmt mancher offenbar doch lieber die mühsame Variante in Kauf.

Zahlt das Jobcenter weiter?

„Wir verlieren dafür ein Zimmer“, beklagte sich ein Mieter aus einem der beglückten Aufgänge am Direkten Draht der Demminer Zeitung, nachdem wir über die Lift-Pläne des städtischen Wohnungsverwalters WVG berichtet hatten. Seinen Namen wollte der Anrufer öffentlich nicht nennen, seine Enttäuschung schon: Für einige Mieter werde die Wohnung nach dem Einbau der Fahrstühle zu klein sein, manche müssten sogar ausziehen. „Und dann soll der Spaß noch hundert Euro mehr Miete kosten! Aber einige müssen von Hartz IV leben in unserem Haus, und wer weiß, ob das dann vom Jobcenter noch bezahlt wird.“

Individuelle Lösungen

Überrascht wirkt WVG-Chef Roman Gau von der Kritik nicht. „Natürlich gibt es nicht nur Zustimmung, damit ist kaum zu rechnen“, sagt er. Darum biete man jedem Mieter des Blocks in den nächsten Wochen individuelle Gesprächstermine, um alle Fragen und Sorgen zu klären.

Denn eines stimmt schon: Der Einbau von Fahrstühlen in zwei Aufgängen der WBS-70-Blocks – für den kommunalen Wohnungsverwalter Neuland und gewissermaßen ein Pilotprojekt – kostet jeweils sechs Drei- und Vierraumwohnungen ein Zimmer.

Im Mai gehts los

Denn der WVG-Chef wollte mit den Liften echte Barrierefreiheit schaffen – nicht solche Aufzüge, die jeweils auf den Zwischenpodesten halten. „Da hab ich auch nichts gewonnen, wenn die Leute danach zu ihrer Wohnung noch eine Treppe steigen müssen, und das vielleicht mit Rollator.“ Darum werden die Fahrstühle in der Arndtstraße an der Rückseite des Hauses angebaut – und für die Flur-Zugänge zum Lift verlieren einige Wohnungen ein Zimmer.

Trotz aller Kritiken und Mietergespräche: Eigentlich steht der Plan fest. Den Förderantrag hat die WVG bestätigt, im Mai soll mit dem Einbau der Fahrstühle begonnen werden.

 

 

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