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"Süße" verschwindet aus dem Meyenkrebs

Von der alten Zuckerfabrik in Demmin, die vor 130 Jahren gebaut wurde, ist nichts mehr übrig. Neue Industrie hat sich auf dem Gelände nach der Wende angesiedelt. Nur eine Villa bleibt Zeugnis der Geschichte.

Inzwischen wird kein Zucker mehr in Demmin hergestellt. Auf dem Gelände der Fabrik im Meyenkrebs steht heute ein Biomasse-Heizkraftwerk.
Foto: Kirsten Gehrke Inzwischen wird kein Zucker mehr in Demmin hergestellt. Auf dem Gelände der Fabrik im Meyenkrebs steht heute ein Biomasse-Heizkraftwerk.

Steffen Krüger blättert im alten Fotoalbum seines Opas. Ganz vorsichtig wechselt er von Seite zu Seite, fasst die Blätter nur mit den Fingerspitzen an. Er blickt gern auf die kleinen Schwarz-Weiß-Bilder, fast quadratisch, am Rand gezackt. Sie tauchen ihn in eine andere Welt, in die Geschichte, die ihn fasziniert. Das Album ist wie ein Schatz, den er in Händen hält. Zwei Fotos fallen ihm auf. Die liegen lose zwischen dem Schutzpapier. Auf der Rückseite findet er einen Hinweis auf die Zuckerfabrik. Er wurde neugierig. Die alte Fabrik im Meyenkrebs steht nicht mehr.

„Die Geschichte bis 1945 interessiert mich am meisten“, sagt der 26-Jährige. Er begann zu recherchieren. „Dann ist mir aufgefallen, dass die Zuckerfabrik vor 130 Jahren gebaut wurde.“ Nur die Direktorenvilla in der Nähe, auch rote Villa genannt, steht noch. „Alte Gebäude liegen mir am Herzen, sie verbergen so viel Geschichte“, meint Steffen Krüger.

Als er vor Wochen Rauchwolken aus Richtung Meyenkrebs sah, dachte er schon, nun brennt auch die Villa. Sofort habe er nachgeschaut. „Zum Glück hat`s nicht gebrannt, aber das Haus ist trotzdem in einem erbärmlichen Zustand.“ Die Fenster sind raus, die Türen auch. „Es bricht fast zusammen, die Treppen sind total brüchig.“ Aber interessant ist es trotzdem, wie auch die Geschichte der Zuckerfabrik.

Steffen Krüger wälzte Schriften des Historikers Wolfgang Fuhrmann, saß viele Stunden im Demminer Regionalmuseum und suchte nach Gräbern früherer Zuckerfabrikgründer auf dem Friedhof in der Jarmener Straße. Wie er herausfand, hatten sich 1883 Landwirte aus Demmin und Umgebung zusammengetan, um in der Hansestadt eine Zuckerfabrik zu gründen.

Trotz allem habe die Zuckerfabrik über viele Jahre hinweg rentabel gearbeitet. „Selbst Aktienscheine brachten etwas Vermögen ein. Dafür spricht die Aktie Nummer 930“, so Krüger. 1894 sei die Aktie zu Friedrich Alfred Krupp aus Essen – bis heute steht der Name für eine industrielle Familiendynastie – gelangt, ein Hofbesitzer aus Grimmen habe diese dann 1911 erworben und zurück nach Vorpommern geholt. 1934 sei sie dann an einen Gutspächter aus Nossendorf gegangen. „Nach dem Krieg ist die Aktie wertlos geworden.“ Zu DDR-Zeiten seien einige Gebäude der Zuckerfabrik entfernt worden. Bis 1992 hat die Fabrik durchgehalten, wurde dann gänzlich abgerissen und auf dem Gelände entstanden ein Bioheizkraftwerk, ein Reifenservice und eine Fischfabrik.