Kriminalität:

Überwachung in Demmin: Ich beobachte dich

Vandalismus ist in Demmin ein Dauerthema. Eine Weile schien es ruhig. Doch nun toben sie sich auch noch in der Tiefgarage aus. Schon steigt die alte Frage wieder aus der Kiste: Brauchen wir mehr Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen?

Bernd Koltz, Chef des Demminer Sicherheitsdienstes WSD, plädiert für mehr Videoüberwachung im öffentlichen Raum Demmins.
Thoralf Plath Bernd Koltz, Chef des Demminer Sicherheitsdienstes WSD, plädiert für mehr Videoüberwachung im öffentlichen Raum Demmins.

Als sich in der Nacht zu Sonntag ein paar Randalierer in der Tiefgarage unterm Marktplatz an den Feuerlöschern vergriffen und an die hundert Autos mit Ammoniumphosphatpulver eindeckten, schien die Sache schnell geklärt. Demmins Autokeller ist kameraüberwacht. Anhand der Bilder sollte die Chaoten-Gang schnell zu schnappen sein.

Doch das war wohl nichts. Die Videokameras in der Tiefgarage sind 15 Jahre alt, mit anderen Worten: Steinzeit. Schwammige Schwarzweiß-Bilder, Übertragung per Analog-Telefonleitung, „alle zwei Sekunden ein Bild“, sagt Bernd Koltz, Chef des Demminer Sicherheitsdienstes WSD. In seiner Leitstelle liefen auch die Bilder der Randalierer auf. Doch: Wie man sah, sah man nichts.

Fünf Kameras sind in der Tiefgarage installiert. Sie kontrollieren Ein- und Ausgang sowie die Frauenparkplätze – so war das ursprünglich auch mal gedacht. „Für eine Echtzeitkontrolle von solchen Aktionen wie dem Vandalismus jetzt sind sie nicht geeignet“, sagt Koltz.

Im vorigen Jahr machte er der Wohnungsgesellschaft, die den Kellerparkplatz verwaltet, den Vorschlag, die Kameratechnik zu erneuern. Doch das Geld dafür war seitens der Stadt nicht eingeplant. Mit modernen Webcams hätte man die Chaoten vom Wochenende möglicherweise schon überführt.

Die Wachschutzfirma WSD setzt mittlerweile mit dem Einbau und Betrieb von Videoanlagen im Kundenauftrag mehr um als mit der Installation klassischer Alarmanlagen. „In Objekten, wo es um Sicherheit geht, wie Tankstellen und Autohäusern, sind moderne Webcams längst Standard“, sagt Koltz. „Da fordern das schon die Versicherungen.“

Er plädiert dafür, dass die Hansestadt diese Technik auch für öffentliche Plätze stärker nutzen sollte, um Vandalismus vorzubeugen. „Natürlich schreckt das ab, das zeigen die Erfahrungen anderer Kommunen doch. Im Schweriner Schloss deckt eine Kamera in der Turmspitze den gesamten Platz ab, die Polizei kann damit in jeden Winkel schwenken und zoomen.“ So denkt der Sicherheitsmann sich das auch für Demmin: „Eine Cam vom Kirchturm aus auf den Markt, das reichte schon. Oder eine Kamera am Luisentor in Richtung Clara-Zetkin-Straße, dann fliegen da ganz bestimmt nicht mehr so oft Steine in Schaufenster. Es geht nicht nur um die Prävention, es geht auch um die Beweisführung, wenn mal etwas passiert.“

Und Datenschutz? Persönlichkeitsrechte? Das sei heute überall, wo solche Technik im öffentlichen Raum zum Einsatz komme, durch den autorisierten Zugriff auf die Aufnahmen und Sicherheitskooperationen zwischen Wachdiensten und der Polizei gewährleistet, so Koltz.

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