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Und die Felder saufen ab

Der viele Regen der vergangenen Wochen lässt die Peene weiter ansteigen, wenn auch wegen des geringen Gefälles mit gewohnter Langsamkeit. Dafür füllen sich die Polder und Wiesen entlang der Flüsse immer mehr.

„Land unter“ bei Toitz: Dort kann ein Graben die Wassermassen nicht mehr fassen – das Demminer Land säuft ab.
Georg Wagner „Land unter“ bei Toitz: Dort kann ein Graben die Wassermassen nicht mehr fassen – das Demminer Land säuft ab.

Wenn Nico Salow aus dem Fenster seines Alt Telliner Hauses Richtung Südwesten schaut, dann geht der Blick normalerweise über grüne Wiesen; eingebettet dazwischen der mäandernde Lauf der Tollense. In diesen Tagen aber sieht wieder einmal alles anders aus. Nach wochenlangen Regenfällen wurde es dem Flüsschen zu eng in seinem Bett. Von Alt Tellin bis Demmin hat die Tollense die Polder immer wieder in Seen verwandelt. Der Anlegesteg des Sanzkower Wasserwanderrastplatzes liegt jetzt selbst tief im Wasser, vom Demminer Ausguck her schimmert es blau zur Straße herüber.

Seit Tagen steigen die Peene-Pegel zwar langsam, aber stetig. 5,81 Meter über Pegel-Null wurden  am Dreikönigstag an der Aalbude gemessen, 5,69 Meter betrug dieser Wert da in Demmin Meyenkrebs. Eine Woche später lagen die Werte bei 5,97 beziehungsweise 5,75 Meter und am Freitag war der Pegel an der Aalbude noch einmal um einen Zentimeter, in Demmin um zwei Zentimeter gestiegen. Das viele Wasser in der Peene lässt auch die Wasserstände in ihren Zuflüssen steigen. Im Westen an der Trebel sieht es nicht anders aus, bei Zachariae ist der Augraben randvoll.

Die Behörden machen kein Drama daraus

Die Entwicklung hat mittlerweile auch die Behörden auf den Plan gerufen. „Die Untere Wasserbehörde beobachtet die Pegel sehr genau“, sagt die Pressesprecherin der Kreisverwaltung in Neubrandenburg, Haidrun Pergande. Zudem stehe man im Kontakt mit den Wasser- und Bodenverbänden ebenso wie mit dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU).

Dramatische Werte haben die Pegel noch nicht erreicht. Erst bei 6,10 Meter an der Aalbude beziehungsweise 5,90 Meter in Demmin würde die erste Alarmstufe ausgerufen. Für die Bevölkerung hätte sie noch keine spürbaren Auswirkungen. „Im Moment gehen wir nicht davon aus, dass wir sie erreichen“, sagt StALU-Leiter Christoph Linke. „Der Abfluss der Peene ist günstig, das bestätigen die Pegelwerte von dieser Woche.“

Anhaltende Westwinde verhindern zu hohe Wasserstände in der Ostsee und im Peenestrom und damit jenen Rückstau der Peene, der das Hochwasser erst richtig steigen ließe. Ein Stück weit kann Linke sogar Entwarnung geben. „Hoch, aber nicht besorgniserregend“, beschreibt er die hydrologischen Verhältnisse. Zwar sei auch an der Tollense zur Zeit ein „deutlicher Hochwasserabfluss“ gegeben. „Aber die Tendenz ist fallend.“ Das ändert indes nichts daran, dass es entlang der Flüsse wohl noch einige Zeit „Land unter“ heißen wird. Denn, das wissen die Menschen im Demminer Land, so langsam wie das Hochwasser steigt, so langsam fällt es auch wieder.