Konzert in St. Bartholomaei:

Unser "Thomaskantor" hat den Bach im Herzen

An die h-Moll-Messe, das große Alterswerk Bachs, wagen sich hierzulande nur ganz wenige Chöre. Doch die Demminer Kantorei stürmt gern mal musikalische Gipfel. Die hundert Sängerinnen und Sänger und ihr Kantor, sind halt ganz besondere Menschen im Advent!

Jauchzet, frohlocket: Erst mit dem Adventskonzert der Kantorei in St. Bartholomaei beginnt für viele Demminer die Vorweihnachtszeit. Kantor Thomas beck hat mit seiner leidenschaftlichen Art, Musik zu leben, einen der besten Kirchenchöre des Landes geformt.
Thoralf Plath Jauchzet, frohlocket: Erst mit dem Adventskonzert der Kantorei in St. Bartholomaei beginnt für viele Demminer die Vorweihnachtszeit. Kantor Thomas beck hat mit seiner leidenschaftlichen Art, Musik zu leben, einen der besten Kirchenchöre des Landes geformt.

Im Alltag sind sie Bauingenieur, Lehrer, Bürokaufmann, Krankenschwester, Bildhauerin, Landwirt. Manche haben Stress und zu viel Arbeit, manche haben gar keine, die Jüngsten lernen noch in der Grundschule, die Ältesten sind längst Rentner. Es ist wie im Leben, so bunt, so leicht, so schwierig. Doch kommen sie zusammen, werden sie zum Chor. Zu einem sehr besonderen. Wenn die Demminer Kantorei in voller Besetzung zu den Werken der großen alten Meister auftritt, füllen sich die Bankreihen in St. Bartholomaei, als gebe sich in der Kirche ein internationaler Bühnenstar die Ehre.

Und doch ist keines der Konzerte ist mit diesem einen vergleichbar. Advent. Die Tage sind kurz geworden in Vorpommern, früh wird es dunkel, der Herrnhuter Stern leuchtet schon am späten Nachmittag vom Turm der großen Stadtkirche. Advent! Für Christen die nahende Ankunft des Gottessohns, für jeden die Zeit einer besonderen Vorfreude. Und dann dieses Konzert. Advent. „Jauchzet, frohlocket!“ Wer die Demminer Kantorei, diese fast hundert Sängerinnen und Sänger, einmal in ihrem vorweihnachtlichen Auftritt erlebt hat, wird immer wieder kommen.

Fast 25 Jahre hat Bach an der Messe gearbeitet

So war es auch am Sonnabend. Und doch war manches anders. „Hohe Messe h-Moll“ stand diesmal angeschlagen, das große Alterswerk des „fünften Evangelisten“, wie Johann Sebastian Bach auch genannt wird. Fast 25 Jahre hat Bach an der Messe gearbeitet, sie gilt als Krönung seines Schaffens, nichts überließ er dem Zufall, alles drückt hier in allem etwas aus, von der Tonart bis zur Anzahl der Takte in den einzelnen Sätzen. Nur wenige Chöre trauen sich, diesen Gipfel anzugehen. Seit vier Jahren probt Kirchenmusikdirektor Thomas Beck mit seiner Kantorei das in Latein gesungene Mammutwerk, Stück für Stück, in jedem Jahr ein bisschen mehr. „Ganz durch sind wir noch immer nicht“, sagt er.

Die Anspannung war ihm anzusehen vor dem ersten „Kyrie“ am Sonnabend, Adrenalin pur, doch er brauche diese Aufregung, hat der Kantor einmal gesagt. Schon wenige Takte später wirkte er wie verwandelt. Schien einzutauchen in das Werk, jeden Ton durchlebend und so voll mitreißender Leidenschaft dirigierend, dass Kantorei und Jugendkantorei, die Musiker des Preußischen Kammerorchesters Prenzlau und die Solisten Maren-Christina Roedinger, Annerose Kleiminger, Johannes Klügling und Alexandru Constantinescu zu einem Ganzen verschmolzen. Jahr für Jahr endet das in stehenden Ovationen - auch diesmal wieder. Eine Kirche voller Applaus. Für einen großartigen, am Ende erleichterten und glücklich strahlenden Chor und seinen charismatischen „Thomaskantor“, den Mann mit Bach im Blut.