Rückblick zur Kreisgebietsreform:

Unvergessen - Vorpommern kontra Seenplatte

In kaum einem anderen Kreis spaltete die Gebietsreform vor zwei Jahren so die Gemüter wie in Demmin.

Seenplatte hin oder her, an den Gebäuden der Kreisverwaltung in Demmin prangt noch der Pommerngreif. Und er wird dort wohl auch bleiben. Georg Wagner  
Georg Wagner Seenplatte hin oder her, an den Gebäuden der Kreisverwaltung in Demmin prangt noch der Pommerngreif. Und er wird dort wohl auch bleiben. Georg Wagner  

Am Montag ist es soweit: Wenn in der Nacht zu Dienstag die Zeiger 0 Uhr überschreiten, dann wird die Kreisgebietsreform genau zwei Jahre alt. Und mit ihr die Entscheidung über einen Streit, der jahrelang das Demminer Land in zwei politische Lager spaltete, die nicht nur über Parteigrenzen weg reichten, sondern auch in der Bevölkerung teils heftig diskutierten. Die Frage nämlich, ob das vorpommersche Demmin, Jarmen und Loitz samt Umland in einem Vorpommernkreis bessser aufgehoben wäre oder im überwiegend mecklenburgischen Seenplattenkreis. Es endete in Loitz und Jarmen mit dem „Sieg“, in Demmin mit der „Niederlage“ der Vorpommern-Befürworter.

Das hat Bernhard Pollok auch heute noch nicht verwunden. Bis zum Schluss hatte der langjährige ehemalige Demminer Stadtvertretungspräsident im „Freundeskreis Vorpommern“ mit Greifswald als Kreisstadt geliebäugelt und für diese Lösung gekämpft. Er sieht sich heute in seinen damaligen Ansichten bestätigt. „Alles, was in der Kreisstadt war, geht den Bach hinunter“, findet er. „Demmin verliert eine Position nach der anderen.“ Die Kreisverwaltung werde immer weiter abgebaut, bei der Zulassungsstelle könne man das Aus absehen. Er warte nur noch darauf, dass auch im Kreiskrankenhaus Stellen abgebaut werden.

Dazu kommt der emotionale Aspekt. Das vorpommersche Demmin, daraus hatte Pollok nie ein Hehl gemacht, gehörte seiner Ansicht nach auch verwaltungstechnisch zu einem Vorpommernkreis.

Er hatte im Vorfeld der Kreisgebietsreform viele an seiner Seite, die genauso dachten. Demmin war hin und her gerissen, in der Stadtvertretung genauso wie in der Bevölkerung. Schon im Jahr 2007 ging eine entsprechende Befragung des Nordkuriers unter fast einhundert Bürgern nahezu 50 zu 50 für Vorpommern beziehungsweise Seenplatte aus. Das überrascht nicht unbedingt in einer Gegend, in der zur Wendezeit so mancher sogar von einem eigenen Bundesland Vorpommern träumte.

Das hatte sich nicht erfüllt, doch nun sollte wenigstens die Kreiszugehörigkeit entsprechend ausfallen. Fanden auch viele in Loitz wie der dortige Pastor Bernd-Ulrich Gienke oder der frühere Bürgermeister Johannes Winter, dessen Herz stark für Vorpommern schlug. Er wusste die Mehrheit seiner Bürger hinter sich. „Wenn ich für Neubrandenburg plädiert hätte, dann hätte ich meinen Schreibtisch auf dem Markt aufstellen müssen“, denkt er zurück.

Der gesamte Bezug der Bürger sei auf Greifswald gerichtet, einkaufen, Arztbesuch, einfach alles. Allerdings gibt Winter auch zu, dass er am liebsten eine völlig andere Lösung gesehen hätte: „Besser wäre es gewesen, wenn es gar keine Kreisgebietsreform gegeben hätte. Sie spart kein Geld, sondern kostet mehr, und das Ganze läuft auch noch sehr bürgerfern ab.“

Doch wie groß auch immer die Zahl der Vorpommern-Befürworter in Loitz gewesen sein mag, es gab auch Gegner. Einer ihrer Protagonisten war der Stadtvertreter Klaus Rabe (Die Linke). Er hat sich zwar mittlerweile mit dem  Kreis Vorpommern-Greifswald abgefunden, sieht aber in ihm vor allem Nachteile. Der Schuldenberg sei größer geworden, Zuständigkeiten und Anlaufpunkte seien teils nach wie vor nicht geklärt und in vielen Fällen werde zu regional gedacht. Usedom etwa habe ganz andere Probleme als Loitz.

Fehlt den beiden von außen hinzu gekommenen Ämtern Peenetal-Loitz und Jarmen-Tutow gegenüber den anderen früheren Gebietskörperschaften womöglich eine ausreichende Lobby? „Nein, nicht in dem Maß“, meint Rabe. „Wir haben ja das Glück, dass unser Bürgermeister Kreistagspräsident ist.“ Aber Loitz könne wegen seiner Nähe zu Greifswald etwas in dessen Schatten stehen. „Da habe ich das Gefühl, dass wir zeitweise ein wenig untergebuttert werden.“

Es hat sich nicht viel an den Sichtweisen geändert, zwei Jahre nach der Kreisgebietsreform.

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