Kunst :

Vergessenes Bild wieder im Licht

Die Enthüllung der Kreuzigung war Höhepunkt beim „Nossendorfer Sommer“. Zu erleben aber gab es einiges mehr.

Aufgestellt, nicht aufgehängt in der Nossendorfer Dorfkirche: Die Zeit und die Einlagerung haben das rätselhafte Kreuzigungsbild gezeichnet. Erstmals seit Jahrzehnten ist es jetzt wieder ganz zu sehen.
Georg Wagner Aufgestellt, nicht aufgehängt in der Nossendorfer Dorfkirche: Die Zeit und die Einlagerung haben das rätselhafte Kreuzigungsbild gezeichnet. Erstmals seit Jahrzehnten ist es jetzt wieder ganz zu sehen.

Es ist geschafft: Nach mehr als einem halben Jahrhundert Vergessenheit und rund vier Jahre nach dem Wiederauffinden ist das Altarbild aus der Klosterkirche Dargun wieder zu sehen. Das Gemälde zeigt Jesus am Kreuz mit den beiden Schächern zu seinen Seiten sowie vermutlich Maria, Johannes und Maria Magdalena zu seinen Füßen. Genau lässt sich das nicht sagen. Denn das übermannsgroße Bild lag jahrzehntelang gefaltet im Depot des Demminer Museums.

Das hat seine Spuren hinterlassen. Wie ein Raster ziehen sich die Falten über die Leinwand. Farbe ist dort abgeplatzt, stellenweise fehlt sie größerflächig. Teile der Kreuzigungsgruppe aber lassen sich deutlich erkennen. Das Bild scheint in barocker Manier gemalt. Doch ob es tatsächlich in jener Epoche entstanden und von kunsthistorischer Bedeutung ist, das ist ebenso unbekannt wie der Maler oder der Weg, auf dem es ins Museum gelangte.

Klärung seiner Herkunft

Für dessen Leiter Hans Clemens war das bislang auch nicht die vorrangige Frage. Gemeinsam mit dem in Nossendorf lebenden Filmregisseur Hans-Jürgen Syberberg setzte er sich dafür ein, das alte Bild zunächst zu sichern. Das ist nun abgeschlossen. „Darüber freuen wir uns“, sagte Clemens am Sonnabend in der Nossendorfer Kirche, wo das Bild jetzt aufgestellt ist. „Jetzt können wir mit ihm arbeiten.“
Damit meint Clemens die Klärung seiner Herkunft und seines Weges ins Museum ebenso wie die Frage, ob und wie die Restaurierung weitergehen soll. Farbe ersetzen? Die Spuren der Einlagerung belassen als Teil der Geschichte des Bildes? Rückgabe an Dargun?

Letzteres kommt zumindest für Hans-Jürgen Syberberg kaum in Frage. Die dortige Kirche sei nur noch eine Party-Kirche, ein säkularisierter Raum, sagte er und schob die Frage hinterher: „Was hat Dargun dafür getan, dass das Bild jetzt so dasteht? Nichts.“ Hans Clemens indes will jetzt das Gespräch mit den Dargunern suchen. Er sei zunächst froh, dass man wisse, wo das Bild herkommt, sagte er und betrachtete die Enthüllung als Tag der Freude, an dem andere Fragen ausgeklammert werden sollten.

Klanginstallationen im Lübecker Speicher

Ohnehin war die Enthüllung nur ein Teil des Nossendorfer Sommers. Gestartet war der am Vormittag in Nehringen mit einem Orgelkonzert, Besichtigung der historischen Holzbrücke und Erläuterungen zur schwedisch-vorpommerschen Geschichte. Mit dem Floß auf der Trebel oder auch im Auto konnten die Teilnehmer die Tour abfahren, das Spiel alter Luren beim Picknick am Fuchsberg nahe Nossendorf hören oder in der Nossendorfer Kirche filmische Retrospektiven auf die früheren Sommerfestivals bei Hans-Jürgen Syberberg und dessen diesjähriges Parsifal-Projekt in Greifswald betrachten. Zum Abschluss hatte der Loitzer Künstler Peter Tucholski im Lübecker Speicher in Demmin Klanginstallationen aufgebaut.

Das Anliegen des ganzen Tages aber fasste Hans-Jürgen Syberberg in drei Wörtern zusammen: „Ein schöner Tag.“ Das ist offenbar gelungen. „Es ist toll, dass er es in seiner Kultureuphorie schafft, hier in der Gegend die Leute über Orts- und Altersgrenzen weg zu mobilisieren“, findet Friedrich von Waldthausen aus Alt Kentzlin. Und Barbara Buss aus Franktfurt (Main) bereute ihre Teilnahme trotz der Hitze keinen Augenblick: „Für mich war es eine Chance, in die Region vorzudringen, Leute kennenzulernen, einen Brückenschlag zwischen West und Ost zu erleben. Die Verbindung von Kulturhistorie und Natur gemeinsam mit fachkundigen Leuten zu erschließen, ist für mich eine Bereicherung.“

Wer das Altarbild besichtigen will, kann sich an das Regionalmuseum Demmin wenden.

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