Naturpark:

Verschwinden die Birken bald aus dem Peenetal?

Was ist mit unserer Natur los? Erst gehen in Vorpommerns Wäldern die Eschen ein, jetzt scheinen die Birken aus dem Peenetal zu verschwinden: Hunderte Bäume stehen kahl. Dafür breitet sich dort ein Pflanzenmonster immer heftiger aus: "Stalins Rache".

Fachleute sehen im Birken-Sterben eine ganz natürliche Ursache: das verheerende Sommerhochwasser von 2011.
Thoralf Plath Fachleute sehen im Birken-Sterben eine ganz natürliche Ursache: das verheerende Sommerhochwasser von 2011.

An den Anblick sterbender Bäume musste man sich gewöhnen in den letzten Jahren im Tal der Peene. Das Renaturieren degradierter Niedermoore brachte ganzen Uferwäldern das vorzeitige Ableben: In der Großen Rosin etwa, einem gefluteten Polder zwischen Kützerhof und Aalbude, reckt ein Gespenstergehölz abgestorbener Erlen die bleichen Äste in die Luft. Gegenüber in Richtung Dargun gingen den Förstern gar mehrere Hektar gesunder Wirtschaftswald baden. Die Bäume vertrugen den steigenden Grundwasserspiegel nicht, Eschen sind nun mal keine Mangroven. Auch in der Randower Schleife zwischen Demmin und Loitz ließ die Renaturierung des Polders toten Moorwald zurück.

Die Birken, seit jeher landschaftsprägend für die Uferzonen der Peene, überstanden all dies. Nun plötzlich sterben sie ab. Reihenweise. Schon vor zwei Jahren waren erste kahle Birken zu sehen, 2013 nahmen die Fälle zu. In diesem Sommer ist es so deutlich, dass Bootfahrer und Angler beunruhigt fragen: Was ist mit den Birken passiert? Zu Hunderten stehen die weißen Bäume tot im Schilfgürtel, auf machen Flussabschnitten findet sich kilometerweit kaum noch ein lebendes Exemplar. Mancher verdächtigte die Landwirtschafrt, Bauern stehen schnell am Pranger in diesen bürgerbewegten Zeiten: Gülle? Pflanzenschutzmittel? Doch das kann schon wegen der Ausdehnung des Phänomens nicht sein.

Fachleute sehen eine ganz natürliche Ursache. Sie liegt schon etwas zurück: das verheerende Sommerhochwasser von 2011. "Eine so hohen Wasserstand im Sommer, das verträgt die Birke nicht", sagt der Demminer Naturschützer Mike Hartmann, Mitarbeiter im Kreisumweltamt. "Sie schlägt danach vielleicht noch mal aus, aber mittelfristig sterben sie ab. Das Ergebnis sehen wir jetzt besonders deutlich im Peenetal, das nach dem extremen Regen damals wochenlang hoch überflutet war. Auch betroffen, wenn auch nicht ganz so sehr, sind übrigens Schwarzerlen. Die wachsen zwar in moorigen Gegenden, aber die Erle ist empfindlicher gegen sommerliche Wasserschwankungen als man denkt." Auch in anderen, von der Sommer-Sintflut 2011 seinerzeit unter Wasser gesetzten Regionen seien Birken und Erlen massiv abgestorben, so Hartmann. "Am Dahmer Kanal zwischen Malchin und dem Malchiner See ist es so schlimm, dass das Amt für Landwirtschaft und Umwelt jetzt die abgestorbenen Bäume abholzen und beräumen lässt, wegen der Verkehrssicherungspflicht auf der Wasserstraße."

Die Peene ist breiter, den Boots- und Schiffsverkeghr gefährden die toten Bäume nur ein wenigen Stellen. Darum werden die Baumleichen wohl stehen bleiben. Als Totholz, ökologisch wichtig und gewollt. Andere Pflanzen, denen man den Untergang durchaus gewünscht hätte, wuchern umso fröhlicher vor sich hin in der Peenetal-Wildnis. Der hochgiftige Riesenbärenklau etwa, wegen seiner kaukasischen Herkunft auch "Stalins Rache" geschimpft. Die fremden Pflanzenmonster, sie werden über drei Meter hoch, sollen eigentlich ausgegraben und verbrannt werden, wo immer man ihrer habhaft wird. Im Peenetal ist der Kampf wohl verloren: In diesem Sommer wächst die Herkulesstaude am Amazonas des Nordens so heftig wie seit Jahren nicht. Allein am Kanal zwischen Neukalen und dem Kummerower See zählte man gerade mehrere Hundert Pflanzen. Das Hochwasser scheint Stalins letzter Rache an der Peene bestens bekommen zu sein.

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