Auf in den Kampf:

Vier vorpommerscheKarate-Asse für Deutschland

Wenn der Karate-Nachwuchs bei der WM in Italien kämpft, sind auch vier Jungs aus Demmin dabei. Ein großer Erfolg für einen eher kleinen Verein, der eine besondere Philosophie verfolgt.

Von links: Oliver Henning, Joe Malkowsky, Hannes Graf und Alexis Giebener vertreten Deutschland bei der Karate-Junioren-WM in Italien. Jörg Döbereiner
Jörg Döbereiner Von links: Oliver Henning, Joe Malkowsky, Hannes Graf und Alexis Giebener vertreten Deutschland bei der Karate-Junioren-WM in Italien. Jörg Döbereiner

 In der Turnhalle in Dargun ist an diesem Tag alles in Bewegung: In der Hallenmitte wetteifern zwei junge Karatekämpfer, am Rand des Geschehens bereiten sich die älteren Karatekas mit Tritten und Schlägen in die Luft auf den nächsten Kampf vor. Auch Asse des Karate-Vereins Demmin warten abseits vom Geschehen auf ihren Einsatz. Für vier von ihnen ist es der letzte Wettbewerb, bevor es auf die große Bühne geht: Alexis Giebener, Hannes Graf, Oliver Henning und Joe Malkowsky werden im Oktober gegen internationale Karatekas kämpfen, bei der Junioren-WM in Italien.

Es ist erneut ein großer Erfolg für die Vorpommern. Gemeinsam mit zwei Kämpfern aus Berlin vertritt der mit etwa 35 Aktiven vergleichsweise kleine Demminer Karateverein die deutschen Farben - und schöpft daraus Selbstvertrauen. "Wenn wir uns gegen Vereine mit 1000 Mitgliedern durchsetzen, dann spricht das schon für uns", sagt Vorsitzender und Trainer Frank Wiese. Die Entscheidung, wer zur WM darf, trifft der Verbandspräsident nach einigen Sichtungen. Und auf denen hat das Demminer Quartett offenbar außergewöhnlich gut gekämpft. Hochmut ist deshalb aber nicht angesagt. "Genau wie sie geehrt sind, bin auch ich geehrt, dass ich als Coach mitfahren darf", erklärt Frank Wiese.

Die Jungs sehen dem Auftritt locker entgegen. "Es ist schon schön, teilzunehmen", sagt Joe Malkowsky. Für den 17-Jährigen ist es bereits die zweite WM, er war schon vor drei Jahren in Brasilien dabei. "Unter die ersten zehn zu kommen, das wäre voll in Ordnung", meint er. Oliver Henning, 19, kämpfte unter anderem schon bei der EM in Ungarn. Er wird in Italien in einer höheren Jahrgangsstufe antreten als die anderen drei, deshalb gilt erst einmal das olympische Motto: Dabeisein ist alles.

Dass die vier überhaupt dabei sein dürfen, verdanken sie auch der Schule und den Arbeitgebern, die sie ohne viel Federlesens in ihrem sportlichen Erfolg unterstützen. Vor allem verdanken sie es aber dem hartem Training, dreimal die Woche in den Demminer Hallen. "Ein großes Lob an unsere Trainer", meint einer und spricht dabei für alle vier. Sie wissen: Ohne die erfahreneren Vereinskollegen hätten sie keine Möglichkeit, so weit zu kommen.

Der große Erfolg der Demminer Karateka könnte auch an der besonderen Philosophie des Vereins liegen, die Uwe Wienholz, einer der Trainer, so erklärt: Es gehe gar nicht so sehr um den Wettkampf, sondern mehr um die ursprünglichen Wurzeln des Karate, die Selbstverteidigung. Natürlich sei aber die Situation im Wettkampf die gleiche wie im Training: Man wird angegriffen und muss sich verteidigen. Besondere Vorbereitungen gebe es keine für das große Turnier, sagt Uwe Wienholz. "Da geht es darum, den Kopf frei zu kriegen." Grundsätzlich bemühe man sich ohnehin, das Training härter zu gestalten als es der Wettkampf ist. Dann seien die Jungs auf alles vorbereitet.

Mit dieser Einstellung wäre es kein Wunder, wenn die Demminer in ihrem Sport auch weiterhin ganz vorne mit dabei wären. Nur für Joe Malkowsky ist es wohl erst einmal der letzte internationale Wettkampf. Er fängt im April bei der Bundeswehr an und wird voraussichtlich nicht mehr regelmäßig zum Training nach Demmin kommen können.

 

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