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Vor Gericht gibt es Zweifel an der Vergewaltigung

Im Verfahren gegen einen 30-jährigen Angeklagten wegen sexueller Übergriffe musste der Termin für die Verhandlung vertagt werden. Denn das vermeintliche Opfer erschien nicht. Nun soll ein Glaubwürdigkeitsgutachten erstellt werden.

Die Justiz im Zweifel: Ob ein junger Mann seine Ex-Freundin vergewaltigt hat, konnte wieder nicht geklärt werden.
Jan-Philipp Strobel Die Justiz im Zweifel: Ob ein junger Mann seine Ex-Freundin vergewaltigt hat, konnte wieder nicht geklärt werden.

Es war bereits der dritte Anlauf vor dem Demminer Amtsgericht. Und es war nicht der letzte. Erneut konnte der Vergewaltigungs-Prozess gegen einen 30-jährigen Mann aus der Nähe von Demmin nicht zu Ende gebracht werden. Eine entscheidende Person fehlte: Die wichtigste Zeugin. Zu schwer soll das Geschehene auf ihr lasten. Wie die Anwältin der Nebenklägerin sagte, schaffe es das Opfer psychisch nicht, ihre Aussage öffentlich zu Protokoll zu geben. Sie habe solche Angst, Panik-Attacken, Albträume und schlaflose Nächte.

Was nun? Denn die Aussage der Frau ist entscheidend für den weiteren Verlauf der Verhandlung. Deshalb beantragte die Anwältin nun, die Zeugin vom persönlichen Erscheinen zu entbinden und stattdessen ihre Aussage per Video zu hören oder ihre Angaben aus der polizeilichen Vernehmung zugrunde zu legen. Damals hatte sie gegen den jungen Mann schwere Vorwürfe erhoben. Der Angeklagte soll die Frau im Jahr 2012 unter Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Doch dieser bestreitet zumindest den zweiten Teil der Anschuldigung. Dass er sie geschlagen hat, sei dagegen unstrittig. Beide waren mal ein Paar. Aus ihrer Beziehung haben sie ein gemeinsames Kind. Was danach kam? Da steht nun Aussage gegen Aussage.

Freizügigkeit im Internet schürt Zweifel

Der Verteidiger des 30-Jährigen bezweifelte den angeblichen psychischen Zustand der Zeugin. Seiner Meinung nach sei nicht davon auszugehen, dass die Frau nicht aussagen kann. Was ihn zu der Überzeugung bringt: Nach der Trennung soll es noch mehrfach Kontakt zwischen beiden gegeben haben. Nie sei dabei von Panik-Attacken gesprochen worden. In Internetportalen soll sich die Frau zudem freizügig gezeigt haben. Das deute gerade nicht auf eine psychische Belastung hin. Die Situation sei pikant. Der Vorwurf wiegt schließlich schwer auf seinem Mandanten. Und um eine Chance auf die Wahrheit zu haben, führe kein Weg an einer Vernehmung vorbei.

Doch wie soll es nun weitergehen? Das klärten Gericht, Verteidigung, Staatsanwalt und Nebenklage in einem sogenannten Rechtsgespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im Ergebnis soll nun die Zeugin auf Glaubwürdigkeit begutachtet werden. Wie Richter Martin Stempel erklärte, müsse jetzt festgestellt werden, ob und wann die Zeugin vernommen werden könnte. Denn ein neuer Termin für den Prozess müsse anberaumt werden.