Sozialer Brennpunkt:

Wenn kein Essen da ist und es Schläge setzt

Die Eltern sind überfordert: Die Jugendämter müssen darum immer öfter Kinder aus den Familien holen. In der Demminer Region hat die Anzahl der Fälle zugenommen. Wer hilft den Familien?

Die Beratungsstelle „Nestbau“ in Demmin hilft.
David Ebener Die Beratungsstelle „Nestbau“ in Demmin hilft.

Das Mädchen geht in die 2. Klasse. Aber es kommt wieder zu spät zur Schule, hat keine sauberen Sachen an, auch kein Frühstück dabei. Die Eltern kümmern sich nicht. Ein anderes Kind kommt mit blauen Flecken in den Kindergarten. Die Erzieherinnen machen sich Sorgen, verständigen das Jugendamt. Aus der Demminer Region gibt es immer mehr Vorfälle von Vernachlässigung der Kinder. Die Anzahl hat weiter zugenommen. „Der Personenkreis derjenigen, die solche Fälle melden, wird immer größer. Inzwischen gibt es auch schon Netzwerke in Sachen Kinderschutz“, sagt Frank Schwebke vom Kreis-Jugendamt. Nicht nur Verwandte, Bekannt und Nachbarn machen sich Sorgen, wenn Kinder nicht die nötige Obhut erhalten. Im vergangenen Jahr wurden am Regionalstandort Demmin des Kreis-Jugendamtes 162 solcher Fälle gemeldet, und bis Juli dieses Jahres waren es allein 97 Meldungen. 20 Kinder und Jugendliche mussten im vergangenen Jahr aus den Familien genommen werden. „In diesem Jahr haben wir sechs Kinder und Jugendliche vor ihren Eltern schützen müssen“, sagt Schwebke.

Aber nicht jede Meldung bedeute gleich, dass die Kinder aus der Familie genommen werden müssen. „Die Eltern sind zumeist überfordert, es gibt Beziehungsprobleme in der Partnerschaft, Scheidungen oder Eltern sind psychisch krank“, benennt der Mitarbeiter des Jugendamtes Ursachen. Es werden aber auch Kinder vernachlässigt oder gar misshandelt. „In den meisten Fällen können die Kinder aber wieder zurück zu ihrer Familie. Wir bieten Hilfe für die Eltern an. Wenn das nicht hilft, muss das Familiengericht eingeschaltet werden, um die Kinder in Pflegefamilien oder Heimen unterzubringen“, erklärt Frank Schwebke.

Bei Misshandlungen und sexuellem Missbrauch werden die Kinder dem Rechtsmedizinischen Institut in Greifswald vorgestellt. „Aktuell gibt es in der Demminer Region solche Fälle nicht“, so Schwebke. Aber nicht die Pflegefamilien oder Heime seien das Ziel, sondern helfende Maßnahmen, damit die Kinder auch bei ihrem Eltern bleiben können. Inzwischen gibt es ein Netzwerk aus Sozialpädagogen und Helfern, die Familien unterstützen, wenn sie mit der Erziehung der Kinder überfordert sind. Dazu gehört auch die Beratungsstelle „Nestbau“ für junge Familien, die in diesem Jahr in Demmin gebildet wurde.

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