Hetzjagd wirf Fragen auf:

Wie fit ist eigentlich unsere Polizei?

Das Durchschnittsalter der Beamten in Demmin liegt mittlerweile bei fast 50 Jahren. Sie sehen sich oft durchtrainierten Straftätern gegenüber wie am Wochenende im Fall des 22-jährigen Räubers. Kein Wunder, wenn da die Flucht gelingt?

Mit vier Stunden Fitness die Woche sollen die Beamten in Form bleiben.
Arno Burgi Mit vier Stunden Fitness die Woche sollen die Beamten in Form bleiben.

Der mutmaßliche Räuber nutzte seine einzige Chance: Als schon alles nur noch wie blanke Routine schien, als er gerade in den Streifenwagen zum Abtransport in die Haftanstalt einsteigen sollte, schubste er einen Polizeibeamten weg und verschwand zwischen Büschen und Wohnblocks. Es war eine Sache von Sekunden, doch anschließend musste die hiesige Polizei mehr als eine Nacht lang nach ihm fahnden – unterstützt von Kräften unter anderem aus Waren und Neubrandenburg. 

Dabei arbeiten im Demminer Hauptrevier nach Auskunft des Polizeipräsidiums Neubrandenburg 39 Polizeivollzugsbeamte und zehn Beamte der Kriminalpolizei. Doch die reine Personalstärke sagt nicht unbedingt etwas darüber aus, wie Einsätze organisiert werden. „Dienststellenübergreifendes Arbeiten ist ganz normal, so funktioniert Polizeiarbeit“, erläutert die Sprecherin der Polizeiinspektion Neubrandenburg, Eike Wiethoff.

Doppelt so alt, aber nicht halb so fit

Die Frage ist allerdings, weshalb der Mann am Sonntag überhaupt entkommen und bis Montagmittag untertauchen konnte. Denn natürlich wurde er sofort verfolgt. Doch während es sich bei dem Flüchtigen um einen jugendlichen Mann im Alter von 22 Jahren handelte, bringen es viele der Polizisten im Demminer Hauptrevier wie an anderen Dienststellen auf mindestens doppelt so viel. Das Durchschnittsalter gibt das Präsidium für Demmin mit 48 bis 50 Jahren an. Wer mit den Beamten auf der Straße spricht, der hört denn auch, was nicht in offiziellen Verlautbarungen steht: Klagen über das zunehmende Alter, Überstunden, Krankheit, steigenden Druck.

Klagen, die auch Andreas Wegner kennt. Als Kreisgruppenvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei ist er zuständig für den Inspektionsbereich Neubrandenburg, zu dem das Demminer Hauptrevier gehört. „Es ist nun einmal so, dass wir nur wenige Beamte sind und vielen Dingen hinter her laufen“, sagt er. Doch so negativ, wie man es angesichts des Durchschnittsalters vermuten könnte, würde er das Bild von der Fitness unserer Polizei trotzdem nicht zeichnen.

Gute Quote beim Sportabzeichen

Dazu trägt auch die seit 2011 geltende Vorschrift für den Dienstsport bei. Vier Stunden vorgeschriebenes Fitnessprogramm haben die Polizisten demnach im Monat. Das lässt sich gewissermaßen abrechnen anhand des Deutschen Sportabzeichens, das Polizeibeamte alle drei Jahre ablegten. Etwa 75 bis 80 Prozent der Demminer Beamten in der Hansestadt besitzen nach Wegners Kenntnis das Abzeichen.

„Der betroffene Kollege ist selbst noch immer todtraurig darüber“, sagt er. „Aber alles ist nach Vorschrift gelaufen. Es war nicht damit zu rechnen, dass etwas geschehen würde. Es war einfach eine unglückliche Situation. Das hätte auch jedem anderen passieren können."

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