Demmins gute Stube:

Wie weiter mit dem Marktplatz?

Was ist jetzt eigentlich mit dem Demminer Marktplatz? Soll er so bleiben? Wie eine mehr schlecht als recht verheilte Wunde liegt die Südseite brach, einst dicht bebaut. Warum packt die Stadt dort nicht selbst an, wie einst beim Rathaus-Neubau?

Demmins Markt heute: Weder ein richtiger Platz noch ein wirkliches Zentrum der Stadt. Dazu fehlt noch zu viel - zum Beispiel die komplette Bebauung der Südseite (im Bild die Grünfläche links).
Thoralf Plath Demmins Markt heute: Weder ein richtiger Platz noch ein wirkliches Zentrum der Stadt. Dazu fehlt noch zu viel - zum Beispiel die komplette Bebauung der Südseite (im Bild die Grünfläche links).

Unfertig wirkt er, der Marktplatz, wie kaum etwas sonst in der Innenstadt. Dabei sollte er doch wieder zur „guten Stube“ werden. Gleich nach der Wende lobte man einen Architektenwettbewerb aus. Der erste große Versuch, Demmin moderner, wohnlicher, urbaner zu machen, galt dem zentralen Platz der Hansestadt. Was richtig war. Und dem Wunsch vieler Demminer entsprach.

Der Versuch blieb stecken. Rathaus und Tiefgarage wurden noch fertig, ein Wohn- und Geschäftshaus an der Südostecke. Die Wohnungsbaugesellschaft baute die Lücke neben dem „Schweriner Hof“ zu, die Diakonie schließt gerade die Lücke an der Tückmantelgasse. Doch von der einstigen geschlossenen Bebauung, die den Markt erst zum Markt machte, ist das Rathaus-Quartier immer noch weit entfernt. Die gesamte Südseite, einst mit einer Doppelreihe Häuser dicht an dicht bestellt: Brache. Man könnte eine Kuh drauf weiden. Oder Gemüse anbauen.

Warum baut hier keiner?

Jahrelang hat die Stadt gebraucht, das Grundbuchchaos zu ordnen. Die Marktsüdseite besteht aus 15 Flurstücken - davon sind laut Rathaus inzwischen 13 in kommunalem Eigentum, eins in gesetzlicher Vertretung, eins noch privat. „Die Stadt hat die meisten Flächen aufgekauft, und zwar mit dem Ziel, einem Investor den Grunderwerb zu erleichtern“, sagt Bürgermeister Michael Koch (CDU).

Doch warum nimmt die Kommune das nicht selbst in die Hand - nach dem Vorbild des Rathauses, das in etwa vier Jahren „abbezahlt“ sein wird? Für die Büros im Hanseufer-Zentrum sind pro Jahr 140 000 Euro Miete fällig. Damit ließe sich bei den derzeit niedrigen Zinsen ein Kommunaldarlehen von gut zwei Millionen Euro finanzieren, vielleicht sogar mehr. Geld für eine Bebauung der Marktsüdseite! Wo die Stadtverwaltung in den Obergeschossen rathausnahe Büros bekäme, in den Erdgeschossen bliebe Platz für Geschäfte, Gastronomie, ein von vielen Demminern so vermisstes Marktcafé. Vielleicht sogar einen Mini-Supermarkt. Kleinere, zu Fuß erreichbare Innenstadt-Filialen kommen bei Discountern wieder in Mode...

Stadt will keine Konkurrenz anfachen

Bürgermeister Koch sagt, dass er sich über jede Idee freue, das Erscheinungsbild der Stadt weiterzuentwickeln. „Das aktuelle Handelskonzept gestattet dort übrigens sowohl Einzelgeschäfte als auch Märkte.“ Andererseits habe man kein Interesse an Leerstand im Hanseufer-Center. Über die Verwendung freiwerdender Mittel nach Auslaufen des Rathaus-Leasings werde bereits beraten. „Ich kann mir durchaus vorstellen, die restlichen beiden Grundstücke der Marktplatzsüdseite auch noch durch die Stadt zu erwerben und den Komplex für eine Investition auszuschreiben.“

Kurzfristig klingts für die Nutzung des südlichen Markt-Quartiers also doch eher nach: Verpachten! Kuh oder Gemüse!

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