Neukalen:

Wie wohnt es sich in einem Lehrerzimmer?

VonTorsten BengelsdorfSchule war gestern: Das alte Lernhaus in der Peenestadt wird nun altersgerechter Wohnsitz. Schon im Sommer soll die erste Wohnung zu ...

Die Computer sind vom Schulbetrieb noch übrig geblieben. Auch dieses Klassenzimmer will Markus Ivert (rechts) zur Wohnung umbauen. Bürgermeister Willi Voß ist froh, dass in seiner Stadt endlich etwas Altersgerechtes entsteht.[KT_CREDIT] FOTOS: Torsten Bengelsdorf

VonTorsten Bengelsdorf

Schule war gestern: Das alte Lernhaus in der Peenestadt wird nun altersgerechter Wohnsitz. Schon im Sommer soll die erste Wohnung zu besichtigen sein.

Neukalen.Hier ist die Zeit wirklich stehen geblieben. Und zwar genau im Dezember 2005. Diesen Monat zeigt der Wandkalender in einem der leeren Klassenräume an. Im Nachbarzimmer stehen noch die Schulcomputer, ältere Modelle, so fein säuberlich, als seien sie erst gestern ausgeschaltet worden. Neukalens altes Schulhaus ist aber längst verlassen. Kurzzeitig war ein klein wenig Hoffnung aufgekeimt, dass die graue Unterrichtsklingel doch noch einmal schrillen könnte, als der Schulverein Lüchow das unter Denkmalschutz stehende Gebäude kaufte und sogar eine Abiturklasse einrichten wollte. Zu schön, um wahr zu werden.
Nein, die Klingel kommt jetzt ab, und auch die Lautsprecheranlage, steht für Markus Ivert fest. Der Unternehmer aus Dargun hat schon vor einiger Zeit das alte Schulhaus von den Lüchowern erworben. Und seine Pläne sind in der Peenestadt auch längst bekannt. Zu altersgerechten Wohnungen will er die ehemaligen Klassen- und Lehrerzimmer umbauen, 16 an der Zahl, barrierefrei und zwischen 30 und 60 Quadratmeter groß.
Den Ankündigungen sollen nun endlich auch Taten folgen. Spätestens in zwei Wochen ist die alte Schule eingerüstet, so Ivert. Vom Dach aus will er das Haus sanieren, zugleich im ehemaligen Lehrerzimmer im Erdgeschoss die erste Musterwohnung einrichten. Ende Juni, so stellt sich Ivert vor, kann man dann hier schon einmal reinschauen. Treppenaufgang und Heizungen sind noch in einem guten Zustand. Die Stadt hatte beides noch erneuern lassen, kurz bevor hier die letzten Zeugnisse verteilt wurden. „Einbauen werden wir aber einen Fahrstuhl, der bis ins Dach hinaufführt. Die Fassade wird farblich wie das Rathaus aussehen, geändert wird aber sonst nichts daran, das verbietet der Denkmalschutz“, sagt Ivert.
Etwa eine Million Euro kostet es, eine leer stehende Schule zum altersgerechten Wohnsitz umzubauen. Darin ist der Kaufpreis des Gebäudes allerdings enthalten.
Mit altersgerechten Wohnungen hatte die Peenestadt bisher kein Glück. Projekte gab es bereits mehrere. Die AWO wollte zum Beispiel hinter dem ehemaligen Landambulatorium ein schmuckes Haus hinstellen. „Viele Leute suchen solche Wohnungen. Ältere Neukalener wollen ihren Lebensabend in ihrer Heimatstadt verbringen. Doch wir konnten ihnen bisher nichts bieten. Das hat schon weh getan“, berichtet Bürgermeister Willi Voß. Und so wird sich vielleicht mancher der künftigen Bewohner noch gut erinnern, wie er in dem gleichen Gebäude vor Jahrzehnten noch die Schulbank gedrückt hat.

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